Ratten mit nach draußen nehmen

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Hin und wieder sieht man leider immer noch Rattenhalter, die ihre Tiere draußen mit sich herumtragen. Dies widerspricht sämtlichen Grundsätzen artgerechter Rattenhaltung. Auch Auslauf im Garten – selbst eingezäunt – oder gar komplette Außenhaltung, wie sie unter Beachtung zahlreicher Aspekte bei Kaninchen, Meerschweinchen oder Streifenhörnchen möglich ist, ist für Ratten absolut ungeeignet und geradezu fahrlässig.

Atemwegserkrankungen und Parasiten

Grundsätzlich sind Ratten sehr empfindliche Tiere, die zu Atemwegserkrankungen neigen. Diese sind oft auch nicht wirklich harmlos, da sich aus einem vermeintlich harmlosen «Schnupfen» schnell eine Lungenentzündung entwickeln kann, an der – erst recht wenn sie unbehandelt bleibt – Ratten auch versterben können. Eine umgehende tierärztliche Versorgung und Behandlung (im Falle einer Lungenentzündung mit Antibiotika) ist zwingend nötig. Darauf ist schon bei reiner Wohnungshaltung zu achten – nimmt man Ratten mit nach draußen, setzt man sie hier unnötig einem erheblich höheren Risiko aus.

Draußen ist der Pathogendruck, im Grunde die Anzahl Krankheitserreger, deutlich größer als in der Wohnung. Die Tiere können die Pathogene also einfacher aufsammeln. Durch den Stress, den die Tiere draußen erfahren, und die Parasiten, die sie gleichzeitig mit aufsammeln, ist das Immunsystem allerdings unterdrückt bzw. abgelenkt, sodass diese Pathogene bei der Ratte leichter eine Erkrankung auslösen können. Dazu fördern kühle Temperaturen und Zugluft die Entwicklung einer Erkrankung.

Von Hund und Katze weiß man, dass sie sich draußen Flöhe, Zecken, Milben oder andere Parasiten holen können. Oft wird bei ihnen vorbeugend mit Spot‐​Ons gearbeitet, sodass sich der Befall in Grenzen hält. Ratten behandelt man nicht vorbeugend und es ist auch nicht zu empfehlen, denn wirksame Antiparasitika sind immer Nervengifte, die auch das behandelte Tier entsprechend belasten, sodass in der Kleintierhaltung Antiparasitika ausschließlich kurativ einzusetzen sind, keinesfalls präventiv.

Fressfeinde und andere Menschen

Nienor - Katze

Für eine Katze ist eine entlaufene Farbratte eine leichte Beute. (Bild: Nienor)

Vor der Haustür warten jede Menge Feinde auf eine Ratte: Hunde, Katzen, Raubvögel und nicht zuletzt andere Menschen. Wenn eine Ratte – warum auch immer – erschrickt oder man wird angerempelt und die Ratte fällt herunter oder flüchtet auf den Boden, ist sie allen Feinden in der Umgebung nahezu schutzlos ausgesetzt. Eine verängstigte Ratte in einer ihr vollkommen unbekannten Umgebung versucht sich zu verstecken. Es ist praktisch kaum mehr möglich, sie in so einer Situation wieder einzufangen, und sie ist für Hunde oder andere Beutegreifer ein leichtes Ziel.

Auch wenn sie sich irgendwo verkriecht und auf andere Ratten trifft, ist das keinesfalls ein Glückstreffer: Ratten dulden keine Eindringlinge in ihrem Revier. Die Ratte wird verbissen und eventuell getötet.

Auf der Flucht kann die Ratte zudem auch leicht Opfer des Straßenverkehrs werden, wie jedes andere Tier auch.

Nicht zuletzt sind Ratten für viele andere Menschen nach wie vor Ekeltiere, die umgehend getötet werden müssen.

Kleintierleinen, wie sie leider immer noch im Handel angeboten werden, sind gegen diese Risiken keine Lösung. Es fällt einer Ratte leicht, sich aus so einer Leine zu befreien: sei es, dass sie herausschlüpft (um dies zu vermeiden, müsste man die Leine so eng schnüren, dass man die Ratte stranguliert) oder sie nagt die Riemen durch. Gefahren durch Wind und Wetter oder andere Menschen kann eine Leine ebenfalls nicht mindern. Aus Tierschutzgründen sind Kleintierleinen generell, insbesondere auch für Ratten, absolut abzulehnen.

Ratten brauchen keine spannenden Ausflüge

Wir Menschen finden Abwechslung und Ausflüge interessant – aber dieses menschliche Interesse darf man nicht auf Ratten übertragen: Ratten sind sehr rudel‐ und revierbezogene Tiere. In ihrem Revier und nur dort fühlen sie sich sicher. In fremder Umgebung stehen sie unter Stress und versuchen sich zu verstecken. Obwohl Ratten – gerade im sicheren Rudel – sehr neugierig sind und ihre Umgebung gern erkunden, sind sie – besonders alleine und in fremder Umgebung – neophob. Für eine Ratte ist es kein «Spaß», aus der vertrauten Umgebung herausgerissen zu werden, überall fremde Geräusche und Gerüche wahrzunehmen und keine Möglichkeit zu haben, sich in ihr bekanntes, sicheres Revier zurückziehen zu können. Es bedeutet Angst und Stress und ist keinesfalls eine willkommene Abwechslung.

Ratten sehen vergleichsweise schlecht, sie genießen keine «schöne Aussicht». Auch sind Ratten dämmerungsaktiv, d. h. ihre aktiven Phasen liegen verstärkt am Abend und in den frühen Morgenstunden. «Ausflüge» mit ihnen am helllichten Tag widersprechen also nicht nur ihrem Bedürfnis, sich in ihrem Rudel und ihrem Revier aufzuhalten, sondern stören auch ihren Biorhythmus. Zusätzlich sind sie sehr lichtempfindlich und Ausflüge am Tag könnten zur Erblindung führen.

draussen

Ratten haben drinnen, in ihrem Auslauf mehr Spaß als draußen. (Bild: Nienor)

Fazit

Draußen lauern für unsere Ratten Gefahren, Angst und Stress. Sie mit nach draußen zu nehmen, bringt Farbratten unnötigerweise in Situationen, die riskant bis hin zu lebensgefährlich sein können. Daher sind sowohl kurze Ausflüge oder Auslauf im Freien ebenso als Tierquälerei einzustufen wie komplette Außenhaltung.

Sollte es nötig sein, mit einer Ratte die Wohnung zu verlassen – z. B. für Tierarztbesuche – so sind die Ratten in geeigneten Transportboxen unterzubringen, in denen sie ausreichend geschützt sind (siehe auch: Ratten transportieren).

Spannende Beschäftigung und Abwechslung kann man Ratten in ihrem Revier im Auslauf anbieten, beispielsweise durch Futterbeschäftigung.

tierwikiAutor: Nienor
zuletzt aktualisiert: 27. April 2016


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