Gesundheit und Vorsorge bei Farbratten

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Wann muß meine Ratte zum Tierarzt?

Grundsätzlich sollte man mit einer Ratte immer zum TA, wenn sie besonders auffälliges Verhalten zeigt. Leider können Ratten uns nicht sagen, wann es ihnen nicht gut geht und sie bitte zum Arzt gebracht werden möchten, daher ist es umso wichtiger, daß ihr euere Tiere aufmerksam beobachtet. Wie viele Kleinsäuger können Ratten erste Krankheitsanzeichen sehr gut verbergen, wenn die Ratte deutlich krank ist, ist die Erkrankung meist schon fortgeschritten.

Alarmzeichen, auf die man immer achten muß:

Verweigern von Futter, kein Interesse an beliebten Leckerchen (deutet oft auf Atemwegserkrankungen hin, aber auch Zahnfehlstellungen und Infektionen des Nervensystems können die Ursache sein)

Schlappheit/​Mattigkeit

Ratte zieht sich auffällig vom Rudel zurück

plötzliche Schreckhaftigkeit/​Unruhe (hier müsst ihr unterscheiden, wenn ihr Weibchen habt, ob sie vielleicht auch nur rattig ist; falls dem so sein sollte ist aber 2–3 Stunden später alles wieder normal)

Angst vor Berührungen (kann ein Zeichen für Schmerzen sein)

Ratte sitzt aufgeplustert in der Ecke oder im Häuschen (ist gleichbedeutend damit, daß sie ein Schild hochhält auf dem steht Mir geht’s nicht gut, einen Arzt bitte!)

rotes Sekret/​Ablagerungen um Nase und Augen bzw. rote Spritzer an der Innenseite der Häuschen (das rote Sekret der Harderschen Drüse wird immer abgesondert, wenn es den Ratten aus irgendeinem Grund nicht gutgeht; ferner empfielt es sich, den Käfigstandort zu überprüfen, denn auch Zugluft oder Stress können der Auslöser sein; in ganz seltenen Fällen wird die Absonderung dieses Sekrets nach überstandener Krankheit chronisch)

Koordinationsprobleme/​schiefe Kopfhaltung (deutet auf eine Störung des ZNS/​Hirntumor hin, aber auch Mittelohrentzündung)

häufiges Kratzen, kleinste Hautabschürfungen im Fell (vermutlich Parasitenbefall; das ganze Rudel muß behandelt werden, selbst wenn nur ein Tier augenscheinlich betroffen ist)

Niesen (kann ein Zeichen von Nervosität sein, ist aber immer ein Alarmsignal, da Ratten zu Atemwegserkrankungen neigen, die sehr schnell bedrohliche Ausmaße annehmen können, wenn sie nicht rechtzeitig behandelt werden)

Keuchen/​Rasseln/​Glucksen (definitiv ein Anzeichen einer Atemwegserkrankung)

Knubbel am Körper (Tumor oder Abszess; Abszesse müssen behandelt werden, Tumore sollten, sofern es der allgemeine Gesundheitszustand der Ratte erlaubt, entfernt werden, solange sie klein sind)

plötzlich auftretende schwarze Stellen in der Haut oder am Schwanz (manchmal treten nach Spritzen Nekrosen auf, am Schwanz kann das auch passieren, wenn ihn sich die Ratte irgendwo eingeklemmt hat; im Zweifelsfall muß der nekrotische Teil des Schwanzes amputiert werden)

blutige Flecken im Käfig/​Blut am Harnausgang (ein Zeichen für – wahrscheinlich – Blasenentzündung, bei Weibchen besteht die Möglichkeit einer Veränderung der Gebärmutter)

Wichtig: Bitte sucht euch bevor die erste Erkrankung auftritt einen kundigen, rattenerfahrenen Tierarzt! Informiert euch über Öffnungszeiten und Urlaubsvertretungen. Die meisten geben den Besitzern ihrer Patienten auch ihre Handynummer für Notfälle.

Da Ratten, wie oben erwähnt, Krankheitsanzeichen und Schmerzen gut verbergen können, ist, wenn es der Ratte akut und sichtbar schlecht geht, umgehend ein TA (oder eben ein Not‐​TA) aufzusuchen, auch am Sonntag oder an Feiertagen! Wenn ihr kein Auto habt: Telefonnummer vom Taxiruf und Taxigeld bereithalten!

Der Transport zum Tierarzt

Ist die Ratte einmal krank oder hat man sich neue Tiere ins Haus geholt, so gilt es, diese sicher und geschuetzt zum Tierarzt zu transportieren, ohne sich noch einen zusaetzlichen Schnupfen einzufangen, Verletzungen zu riskieren oder das Tier gar zu verlieren.

Ganz wichtig fuer den Transport ausserhalb der sicheren vier Waende ist eine geeignete Transportbox. Ein Karton ist fuer den Tranport ungeeignet, weil er durchweicht und den Rattenzaehnen nicht lang standhaelt. Auch Taschen aus Stoff werden leicht zernagt, sodass erhoehte Ausbruchsgefahr besteht.
Im Handel sind diverse Transportboxen erhaeltlich. Fuer den Transport von 2–4 kleineren Tieren eignen sich die Nagertransportboxen (z.B. die Transportbox Petty (35×25×25) oder aehnlich grosse). Hat man groessere Tiere oder ein grosses Rudel, das transportiert werden muss, so kann man auf Katzentransportboxen ausweichen. Hier bitte auf die Gitterabstaende achten, sodass niemand ausbrechen oder im Gitter stecken bleiben kann. Je kleiner, desto besser.
Wichtig ist, dass die Tiere ausreichend Platz haben, um sie bequem hinzulegen. Sie sollten sich auch nicht in der Box stapeln muessen.

Die Transportbox fuellt man am besten mit Zeitungsstreifen und weichen Kuechen‐​/​WC‐​Papier oder Handtuechern. Wichtig ist, dass die Tiere die Moeglichkeit haben, sich zu verkriechen. Schwere Haeuser eignen sich dafuer nicht, ein leichter Circus von Savic oder der kleine Teil eines Sputniks koennen aber genutzt werden. Wichtig ist, dass die Tiere nicht erschlagen werden, wenn das Versteck kippt und sich nirgens einklemmen koennen.

Futter und Wassernaepfe gehoeren beim Tranport nicht in die Box. Auch hier besteht die Gefahr, dass sie sich verletzten, wenn man z.B. im Auto scharf bremsen muss. Zudem wird Wasser leicht verschuettet und die ganze Box ist dann nass.
Es bietet sich an, einfach ein wenig Trockenfutter und Gurke anzubieten. Gurke enthaelt viel Fluessigkeit und kann ueber einen geringen Zeitraum den Fluessigkeitsbedarf der Tiere decken. Bei langen Transporten oder Aufenthalten in der Box bietet es sich an, eine Trinkflasche oder einen Wassernapf kurzfristig zusaetzlich anzubieten, solang man die Box nicht bewegt (z.B. bei Pausen oder in der Tierarztpraxis). Aufgrund der Verschuettungsgefahr durch die Tiere selbst, ist eine Flasche vorzuziehen.

In aller Regel nimmt man mindestens ein Begleittier fuer den Patienten mit. So faellt zumindest der Isolationsstress weg. Hat man nur ein Dreierrudel, so sollten immer alle 3 Tiere mitgenommen werden.

Jedoch gibt es Situationen, in denen das Tier allein zum Tierarzt muss. Um es dem Tier leichter zu machen, nimmt man hier am besten Tuecher aus dem Gehege, die nach den Rudelgenossen riechen.
Es empfiehlt sich, Ratten allein zur OP oder zu Untersuchungen bzw. Behandlungen in Narkose zu bringen. Das Tier kann dann in Ruhe in der Transportbox ausschlafen und muss sich nicht sofort gegen seine Kollegen behaupten.
Auch auf den letzten Gang nimmt man das betreffende Tier besser ohne Rudel. Kommt eine Euthanasie ploetzlich, so sollten die anderen Tiere in einem anderen Raum untergebracht werden. Ratten kommunizieren ueber Ultraschall und auch das sterbende Tier kann dies tun. Es wurde schon beobachtet, dass Rudelgenossen, die im selben Raum waren, waehrend ein Tier eingeschlaefert wurde, danach recht verstoert waren. Dies sollte man vermeiden.
Wenn man das verstorbene Tier nicht beim Tierarzt laesst, so sollte es getrennt von den anderen nach Haus transportiert werden.

Da sich Ratten leicht erkaelten, sollte die Box beim Transport zusaetzlich gegen Luftzug geschuetzt werden.
Dazu kann man die Box in eine Decke oder ein Handtuch wickeln. Im Auto kann man dies dann wieder entfernen, sofern man nicht fuer Luftzug im Auto sorgt (Klimaanlage, offene Fenster).

Ist man laengere Zeit zu Fuss unterwegs, so lohnt es sich, die Box in eine grosse Tasche zu packen. Diese verschliesst man dann oder deckt die Box mit einem Handtuch an. Ist man wieder in einem Gebaeude, so kann man die Tasche oeffnen und das Handtuch beiseite legen.

Im Winter und an kuehlen Tagen sollte man den Tieren eine zusaetzliche Waermequelle anbieten.
Ideal ist da der Snuggle Safe, da er kontinuierlich ueber langem Zeitraum Waerme abgibt, nicht zu heiss wird und den Nagezaehnen standhaelt. Aber auch Waermekissen oder die Waermeflasche sind moeglich, solang man auf die Temperatur achtet und das Tier sie in Ruhe laesst.
Bei Extremnagern kann man die Waermekissen auch ausserhalb der Transportbox positionieren, dann koennen sie auch waermer sein, da kein direkter Kontakt stattfindet. Dies ist aber nur beim Transport der Box in einer Tasche wirklich handlich.

Wichtig ist hier aber besondere Vorsicht beim Transport, da der Snuggle und viele Waermekissen doch recht schwer sind. Ist man auf ein Auto oder den oeffentlichen Verkehr angewiesen, wuerde ich eher auf eine Waermequelle ausserhalb der Transportbox zurueckgreifen.

An heissen Tagen braucht man genau das Gegenteil, die Tiere brauchen Kuehlung. Ein feuchtes Tuch ueber der Transportbox kann da schon helfen. Aber auch Kuehlakkus ausserhalb der Box sorgen fuer Abkuehlung. Wichtig ist, dass es nicht zu kalt wird. Zugluft sollte weiterhin streng vermieden werden.

Erkrankungen

häufige Erkrankungen

Abszess

Atemwegsinfektionen

Bumblefoot

Mycoplasmose

Mycoplasmen zählen zu den kleinsten selbstständig vermehrungsfähigen Bakterien aus der Klasse der Mollicutes (lat. mollis = weich, cutis = Haut; „die Weichhäutigen“). Sie gehören zum Stamm der meist grampositiven Firmicutes, sind selbst aber gramnegativ. Da Mycoplasmen die für Bakterien üblichen Zellwände fehlen, wurden sie eine zeitlang als Viren angesehen, da diese ebenfalls nicht eigenständig ohne Wirt überlebensfähig sind. Mycoplasmen leben parasitär, sind also entweder auf eine Wirtszelle oder einen Wirtsorganismus angewiesen, diese töten sie in der Regel aber nicht ab, sondern verursachen chronische Infektionen.

Als Parasiten erhalten sie vom Wirtsorganismus essentielle Stoffwechselkomponenten wie z.B. Fettsäuren, Aminosäuren und Vorstufen der Nukleinsäuren, für das Wachstum einiger Vertreter der Mollicutes ist auch Cholesterin erforderlich, eine Komponente, die normalerweise nicht in Bakterien gefunden wird und deren Synthesevorstufen ebenfalls von den Wirtszellen zur Verfügung gestellt wird. Es gibt zahlreiche verschiedene Arten von Mycoplasmen. So kommen Mycoplasmen sowohl bei Menschen, Tieren als auch Pflanzen vor, sind jedoch in der Regel wirtsspezifisch und somit nicht von einer Spezies auf eine andere übertragbar.

Die für Ratten am meisten relevante Art ist Mycoplasma pulmonis. Aufgrund verschiedener Untersuchungen geht man mittlerweile davon aus, daß Mycoplasma pulmonis in nahezu allen Ratten vorhanden ist. Bei intaktem Immunsystem wird dieses Bakterium aber vom Organismus relativ gut in Schach gehalten, so daß nicht zwangsläufig ein Ausbruch der Mycoplasmose erfolgen muß. Mycoplasmen besiedeln überwiegend die Atemorgane, also Bronchien und Lunge der Ratten, können aber auch für weitere Infektionen wie Mittelohrentzündungen oder bei weiblichen Tieren des Uro‐​Genital‐​Traktes verantwortlich sein.

Das Fehlen der für Bakterien üblichen Zellwände erschwert die Behandlung mit Antibiotika. Da es bisher kein wirklich wirksames Antibiotikum zur Bekämpfung der Mycoplasmose selbst gibt, bleibt nur die Behandlung der Sekundärinfektionen, damit der Körper sich selbst voll auf die Mycoplasmose‐​Erreger konzentrieren und sie möglichst mit den eigenen Abwehrkräften bekämpfen kann. Die Grunderkrankung Mycoplasmose ist noch nicht heilbar. Wichtig ist also vor allem die Stärkung der körpereigenen Abwehrkräfte um einen Ausbruch der Mycoplasmose möglichst zu verhindern.
Zur Eindämmung der Mycoplasmose bzw. ihrer Begleiterkrankungen haben sich Antibiotika wie z.B. Chloramphenicol Palmitat, Doxycyclin, Erythromycin, Gentamicin, Tetracyclin und Tylosin bewährt.

(Danke an Aleshanee)

Tumor

seltene & weniger bekannte Erkrankungen

Leptospirose

SDA‐​Virus

Tyzzer’s Disease

Tyzzer’s Disease ist eine bakterielle Infektion, die weitgehend alle Kleinsäuger befallen kann. Tyzzer’s äußert sich augenscheinlich durch struppiges Fell, Teilnahmslosigkeit, manchmal auch durch (teilweise blutigen) Durchfall, und führt in der Regel binnen 48 Stunden, spätestens 1 Woche zum Tod. Das Bakterium befällt die inneren Organe des Magen‐​Darm‐​Traktes, teilweise auch Leber und/​oder Herz; besonders anfällig sind Jungtiere, allerdings können auch ältere Tiere befallen sein.
Nicht immer verläuft eine Infektion sofort tödlich. Vergleichbar mit Mycoplasmose können Tiere zwar infiziert sein, zum Ausbruch kommt Tyzzer’s aber erst durch Stress, geschwächtes Immunsystem etc.; besonders gefährlich ist die Tatsache, daß die Sporen über einen längeren Zeitraum (mitunter Jahre) überleben können.

Behandlung der Symptome ist wohl möglich, allerdings müssen bereits im Anfangsstadium Antibiotika verabreicht werden, was schwierig ist, da Ratten – wie beinahe alle Kleinsäuger – erste Krankheitsanzeichen gut verbergen können. Tetracycline (und evtl. Sulfonamide?) sollen hier das Mittel der Wahl sein.
Ferner müssten die betroffenen Tiere sofort in Quarantäne gesetzt und am besten der komplette (vermutlich kontaminierte) Käfiginhalt getauscht und/​oder desinfiziert werden.
Einmal infizierte Tiere können nicht wieder „geheilt“ werden, lediglich die Symptome sind behandelbar; den Erreger tragen sie weiterhin in sich (ebenfalls vergleichbar mit Mycoplasmose).

Auch wenn Rennmäuse als besonders anfällig für Tyzzer’s gelten, können so gut wie alle Kleinsäuger befallen werden, die Bakterienstämme sind jedoch weitgehend wirtsspezifisch; die Infektion kann z.B. über kontaminierte Streu, Futter, Wasser etc. erfolgen. Eine Übertragung auf den Menschen konnte bisher nicht zweifelsfrei nachgewiesen werden.

Weiterführende Links zum Thema in englischer Sprache:

Tyzzer’s disease: An update of current information
Excerpts of Tyzzer’s disease from The Biology of the Laboratory Rabbit

Bekannte & bewährte Medikamente

Antibiotika

Chloramphenicol: klassisches gehirngängiges Antibiotikum, daher unbedingt bei Entzündungen an Kopf und ZNS zu verwenden; bakteriostatische Wirkung (Proteinsynthesehemmer); Handelsnamen u.a. Chloromycetin Palmitat, Parkefelin; zu haben als Saft oder Tabletten

Clindamycin: gehört zur Gruppe der Lincosamide; bakteriostatische Wirkung (Proteinsynthesehemmer); gilt als besonders aggressiv für den Magen‐​Darm‐​Trakt, sollte daher nicht eingesetzt werden, wenn auch andere Antibiotika (z.B. Makrolide) in Frage kommen; Handelsnamen u.a. Clinda Lich, Eficline; für Ratten als Trockensaft (Granulat) oder Tabletten geeignet

Doxycyclin: ein Polyketid, gehört zur Gruppe der Tetracycline; Tetracycline dürfen keinesfalls mit Milchprodukten verabreicht werden, da Calcium, Eisen und Magnesium die Aufnahme in den Körper behindern (auch auf die verstärkte Gabe von Bananen, Nüssen und Saaten sollte in diesem Zusammenhang verzichtet werden); kann als einziges Tetracyclin mit Acetylcystein (Schleimlöser) kombiniert werden; bakteriostatische Wirkung (Proteinsynthesehemmer)

Enrofloxacin: Gyrasehemmer (bakteriostatische und bakterizide Wirkung), gehört zur Gruppe der Fluorchinolone; nur eingeschränkt gehirngängig; Handelsname Baytril; zu haben als Injektionslösung (auch orale Gabe möglich), orale Lösung und Tablette

Erythromycin: gehört zur Gruppe der Makrolide; bakteriostatische Wirkung (Proteinsynthesehemmer); gute Wirksamkeit gegen grampositive Keime und Mycoplasmen; behindert den Abbau von Theophyllin, daher keine gleichzeitige Gabe; Handelsname u.a. Infectomycin; für Ratten geeignet als Trockensaft (Granulat)

Marbofloxacin: Gyrasehemmer (bakteriostatische und bakterizide Wirkung), gehört zur Gruppe der Fluorchinolone; nur eingeschränkt gehirngängig; Handelsname Marbocyl, zu haben als Injektionslösung (auch orale Gabe möglich), orale Lösung und Tablette

Florfenicol: Handelsname u.a. Nuflor

Retardon: gehört zur Gruppe der Sulfonamide

Sulfamethoxazol und Trimethoprim: geringere Gefahr der Resistenzbildung durch Wirkstoffkombination; Handelsname u.a. Cotrim; für Ratten in der Variante als Kindersaft/​‐​Sirup geeignet

Tetracyclin: Namensgeber der gleichnamigen Wirkstoffgruppe; ein Polyketid; Tetracycline dürfen keinesfalls mit Milchprodukten verabreicht werden, da Calcium, Eisen und Magnesium die Aufnahme in den Körper behindern (auch auf die verstärkte Gabe von Bananen, Nüssen und Saaten sollte in diesem Zusammenhang verzichtet werden); Wirksamkeit wird durch Acetylcystein negativ beeinflußt, daher keine gleichzeitige Gabe; bakteriostatische Wirkung (Proteinsynthesehemmer); Handelsname u.a. Tetraseptin, zu haben als Tropfen.

Schleimlöser/​Medikamente für die Atemwege

Acetylcystein: Schleimlöser; verringert die Wirksamkeit von Tetracyclinen, daher keine gleichzeitige Gabe (Ausnahme: Doxycyclin); Handelsname u.a. ACC; für Ratten geeignet als ACC 200 Pulver (angerührt als Lösung oder untergemischt in Brei)

Bromhexin: Schleimlöser, Handelsname Bisolvon

Theophyllin: bronchienerweiterndes Asthmamedikament; ein Alkaloid; keine gleichzeitige Gabe von Ciprofloxacin oder Erythromycin, da diese Antibiotika den Abbau von Theophyllin behindern; Handelsname u.a. Euphylong

Omnipet Sekrolyt Cat: Schleimlöser auf pflanzlicher Basis, Wirkstoffe aus Brennessel, Brunnenkresse, Thymian, Fenchel und Schachtelhalm; das süßliche Kräutergranulat wird von Ratten i.d.R. gern genommen

Schmerzmittel

Carprofen: Nichtopioid‐​Analgetikum, ein NSAR (nicht‐​steroidales Antirheumatikum), schmerz‐ und entzündungshemmend, Cyclooxygenase‐​Hemmer, darf daher nicht gleichzeitig (weder zeitgleich noch parallel) mit Corticoiden verabreicht werden; Handelsname u.a. Rimadyl

Meloxicam: Nichtopioid‐​Analgetikum, ein NSAR, schmerz‐ und entzündungshemmend, Cyclooxygenase‐​Hemmer, darf daher nicht gleichzeitig (weder zeitgleich noch parallel) mit Corticoiden verabreicht werden; Handelsname u.a. Metacam

Metamizol: Nichtopioid‐​Analgetikum, einziges NSAR mit krampflösender Wirkung, stark schmerz‐, aber nur schwach entzündungshemmend, darf daher, obwohl Cyclooxygenase‐​Hemmer, zeitversetzt parallel mit Corticoiden verabreicht werden; Handelsname u.a. Novalgin

Corticoide

Dexamethason:

Prednisolon:

unterstützende Heilmittel & -Verfahren

Bachblüten:

Echinacea: zur Immunstärkung; Wirkstoff des Sonnenhutes; für Ratten geeignet in der Kindervariante ohne Alkohol

Umijo Pet: zur Immunstärkung; Wirkstoffe u.a. Sonnenhut, Pelargonienwurzel, Mumijo, Efeu, Zink etc.

Operationen bei Ratten

Tumoroperationen sind leider bei Ratten recht häufig, aber auch Abszesse werden hin und wieder komplett entfernt. Wichtig ist, dass der operierende Tierarzt Erfahrung bei der Narkose und Operation von Ratten hat.
Die Ratte wird am besten allein in ihrer Transportbox mit Trocken‐ und Frischfutter abgegeben, oft wird ihnen beim Tierarzt auch zusätzlich Wasser angeboten. Wichtig ist, dass die Tiere vor der Operation nicht nüchtern sind. Sie dürfen bis kurz vor der Narkose fressen. Ratten können nicht erbrechen, sodass ein Ersticken an Erbrochenem während der Operation auszuschliessen ist. Lediglich Material, dass sich noch auf dem Weg in den Magen befindet, könnte hochgewürgt werden.
Grundsätzlich sind 2 Narkosearten für Kleinnager wie Ratten empfehlenswert : die Inhalationsnarkose (z.B. mit Isofluran) oder ein vollständig antagonisierbare Injektionsnarkose (Mischung aus verschiedenen Medikamenten). Beide Narkosearten haben den Vorteil, dass der Tierarzt das Tier nach der Operation und bei Komplikationen schnell aufwecken kann. Mit welcher Methode der Tierarzt operiert, sollte ihm überlassen werden, denn er wählt die Methode, die ihm richtig erscheint.
Kritisch ist die Phase des Aufwachens aus der Narkose. Die Tiere sollten unbedingt beim Aufwachen gewärmt werden (z. B. durch eine gut regulierbare Wärmematte) – auch während der Operation, Ratten verlieren sehr schnell an Temperatur und Untertemperatur kann lebensgefährlich sein – und von ausgebildetem Personal überwacht werden. Niemals sollte ein Tierhalter eine noch in Narkose liegende Ratte mit nach Hause nehmen !
Bitte besprecht nach der Operation die Wundpflege mit dem Tierarzt. Besprecht auch das Vorgehen in Notfällen – wie ist der Arzt erreichbar ?
Zuhause angekommen sollte die Ratte zunächst noch getrennt vom Rudel gehalten werden, ihren Restrausch ausschlafen und sich vom Stress erholen. Ist die Ratte am Abend wieder fit und munter, so kann sie am gewohnten Rudelauslauf teilnehmen. Hier kann man kontrollieren, ob die anderen Tiere an die Naht /​den Verband gehen, ob sie das operierte Tier stark bedrängen oder ob alles gut aussieht. Je nach Verlauf des Auslaufs, kann die Ratte zurück ins Rudel oder sollte noch eine Weile getrennt bleiben, damit die Wunde gut heilt. Sollte sie nicht direkt ins Rudel zurück können, so ist es ratsam, eine friedliche Ratte als Gesesellschaft zu ihr zu setzen, damit sie nicht allein ist.
Absolut wichtig ist die Hygienen in den Tagen nach der Operation. Man sollte täglich die Tücher /​Zeitung austauschen. Streu sollte im Krankenkäfig nicht vorhanden sein, weil dieses an der Wunde kleben und so zu Infektionen führen kann.

Sind unsere Ratten anfällig für Krankheiten, weil diese in Laboren angezüchtet wurden?

Auch wenn diese Aussage weit verbreitet ist, so ist sie nichtsdestoweniger falsch. Labor‐ und Liebhaberratten werden seit dem 19. Jahrhundert weitestgehend getrennt voneinander gezüchtet, Überschneidungen, die hier einen zwingenden Zusammenhang ergeben würden, gibt es nicht.
s. auch: Mythen der Rattenhaltung – Laborratten und Farbratten

Weitere Artikel zum Thema Gesundheit und Vorsorge:

Autor: Chipi & Nienor
zuletzt aktualisiert: 31. Juli 2012


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