Ernährung von Meerschweinchen

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In den Zoohandlungen werden immer mehr bunte Verpackungen mit viel versprechendem Inhalt angeboten. Die Hersteller werben mit Extra‐​Vitaminen, besonderen Zusätzen und farbenfrohen Schachteln. Doch was ist gesund für Meerschweinchen und was sollte nicht auf dem Speiseplan stehen?

Flüssigkeit

Meerschweinchen benötigen rund um die Uhr frisches Wasser. Ein standfester Napf oder eine große Trinkflasche muss täglich gesäubert und neu mit Wasser gefüllt werden. An besten bietet man am Anfang beides an, dann können die Meerschweinchen selbst entscheiden, wie sie ihr Wasser lieber aufnehmen. Bei ausreichender Versorgung mit Frischfutter kommt es häufig vor, dass die Schweinchen recht wenig trinken. Das ist normal, frisches Wasser sollte aber dennoch ständig zur Verfügung stehen.

Heu und Gräser

Frische Gräser sind die Grundnahrung der Meerschweinchen und können nach langsamer Eingewöhnung unbegrenzt angeboten werden. Da sie jedoch nicht ganzjährig verfügbar sind, muss Heu (getrocknete Gräser) rund um die Uhr für die Meerschweinchen zur freien Aufnahme erreichbar sein. Meerschweinchen kauen das Heu gut durch, was die ständig nachwachsenden Backenzähne abnutzt und durch den hohen Rohfaseranteil die Verdauung in Gang hält.

Daran erkennt man geeignetes Heu:

  • dunkelgrün (nicht gelb‐​grün!)
  • frischer, angenehmer Geruch (nicht muffig!)
  • trocken (nicht schimmlig oder feucht!)

Frischfutter

Mindestens zweimal täglich sollte den Meerschweinchen Frischfutter gefüttert werden. Es versorgt das Tier mit wichtigen Vitaminen. Der Großteil des Frischfutters besteht bei Meerschweinchen aus frischen Gräsern, Kräutern und Gemüse. Obst sollte nur ein‐ bis dreimal die Woche in kleinen Mengen verfüttert werden.

Achtung: Eine Veränderung in der Ernährung sollte man immer langsam vornehmen, damit sich die Verdauung auf das neue Futter einstellen kann!

Besonders ist auf die Zufuhr von Vitamin C zu achten. Meerschweinchen haben einen hohen Bedarf an Vitamin C und können es nicht selbst produzieren.

Viel VitaminC enthalten:

  • Brokkoli
  • Fenchel
  • Giersch
  • Gras
  • Grünkohl
  • Paprika

Im Sommer sollte jeder, der die Möglichkeit dazu hat, seinen Meerschweinchen viel Gras und Wiesenkräuter geben. Wiesengewächse können unbegrenzt angeboten werden und einen Teil des Frischfutters ersetzen. Welche Pflanzen an Meerschweinchen verfüttert werden können, kann in der Wilde Kräuter und Co – Liste im Tierforum nachgelesen werden.

Achtung: Gras muss sehr langsam angefüttert werden, ungewohnt führt es zu Verdauungsproblemen bei den Meerschweinchen!

Kräuter

Im Winter sind Trockenkräuter‐​Mischungen zur Ergänzung der Ernährung zu empfehlen, denn sie enthalten viele Vitamine und Mineralien. Je Meerschweinchen sollte pro Woche aber nicht mehr als 2 Esslöffel Trockenkräuter verfüttert werden.

Vom Frühling bis in den Herbst kann auch sehr gut in der Natur nach frischen Kräutern für Meerschweinchen Ausschau halten. Welche Kräuter geeignet sind, darüber informiert die Wilde Kräuter und Co – Liste im Tierforum.

Äste & Zweige

Frischgeschnittene, unbehandelte Äste und Zweige sind eine prima Möglichkeit, die Tiere zu beschäftigen. Außerdem dienen sie dem Zahnabrieb der ständig nachwachsenden Zähne und die Rinde enthält viele Vitamine und Mineralien. Frische Äste sollten wöchentlich den Meerschweinchen zur Verfügung gestellt werden, damit die Schneidezähne nicht zu lang werden. Dabei können ruhig die Blätter und feinen Zweige mit verfüttert werden, denn sie bereichern den Speiseplan. Brot dient übrigens nicht dem Zahnabrieb und enthält Getreide, Backtriebmittel und Gewürze. Daher sollte es auf keinen Fall verfüttert werden (siehe Trockenfutter).

Auch einige für Meerschweinchen geeignete Sträucher und Bäume, von denen ihr euren Meerschweinchen etwas mitbringen könnt, sind in der Wilde Kräuter und Co – Liste im Tierforum gelistet.

Trockenfutter

Das handelsübliche Trockenfutter aus der Zoohandlung ist nicht geeignet für Meerschweinchen. Es enthält viel Getreide, Mais, Melasse, Zucker, Honig und andere ungesunde Zusätze. Meerschweinchen haben ein sehr empfindliches Verdauungssystem, daher entstehe viele Krankheiten im Zusammenhang mit ihrer Verdauung (Durchfall, Verstopfung…).

Wie wird Trockenfutter verdaut?

Die Verdauung beginnt im Mund der Tiere: Das Futter wird zwischen den Zähnen zerquetscht und anschließend verschluckt. Es findet kein Zahnabrieb statt.

Der Darm der Meerschweinchen ist dünnwandig und sehr empfindlich. Er hat keine Peristaltik, d. h. die Tiere müssen ständig fressen, um den Nahrungsbrei voranzuschieben. Daher ist ein hoher Rohfaseranteil in der Nahrung erforderlich.

Trockenfutter bewirkt genau das Gegenteil: Es hat einen niedrigen Rohfaseranteil und quillt im Darm auf, was die dünnen Darmwände sehr stark belastet. Das Meerschweinchen verspürt nach dem Verzehr von Trockenfutter ein starkes Sättigungsgefühl und frisst nicht mehr weiter. Auch das für den Zahnabrieb und die Verdauung wichtige Heu wird entsprechend weniger gefressen. Das aufgequollene Futter bleibt im Darm liegen, Getreidestärke wird zu Zucker umgewandelt und das Säure‐​Basen‐​Gleichgewicht wird gestört. Der Zucker vergärt und es kommt zur Vermehrung schädlicher Bakterien (E. coli) – Verdauungsstörungen sind die Folge.

Der Blinddarm ist auf einen hohen Rohfaseranteil in der Nahrung angewiesen. Durch Gärungen werden lebenswichtige Vitamine und Fettsäuren erzeugt, die über den Blinddarmkot, den die Meerschweinchen fressen, dem Organismus wieder zugeführt werden. Trockenfutter hat allerdings keinen hohen Rohfaseranteil und wirkt sich entsprechend negativ auf die Verdauung aus.

Man sieht also, das Meerschweinchen ist auf die Verdauung von Trockenfutter nicht eingestellt, sondern benötigt eine andere, rohfaserreiche Ernährung.

Welches Trockenfutter darf verfüttert werden?

Wer Trockenfutter füttern möchte, sollte nur Futter bestehend aus getrockneten Kräutern, reinen Heupellets (auf die Zusammensetzung achten!) und getrockneten Gemüse verwenden!

Meerschweinchen benötigen nicht unbedingt Trockenfutter, nur kranke oder geschwächte Meerschweinchen, Tiere die im Winter draußen gehalten werden oder trächtig sind, können eventuell auf Trockenfutter angewiesen sein.

Auch Trockenfutter mit den oben genannten Inhalten darf nicht unbegrenzt angeboten werden. Mehr als 1 Teelöffel für jedes Tier am Tag sollte nur nach der Absprache mit einem fachkundigen Tierarzt verfüttert werden.

Wo kann man geeignetes Futter kaufen?

Leider bietet der Großteil der Zoohandlungen kein oder wenig geeignetes Trockenfutter an.

Geeignetes Trockenfutter erhält man z. B. im Internet:

Achtung: Nicht alle Produkte bei diesen Adressen sind geeignet! Bitte immer die Inhaltsangaben des Produkts durchlesen!

Leckerlis

Im Handel erhältliche Leckerlis, hartes Brot, Joghurtdrops, Knabberstangen und andere Knabbereien enthalten Zucker und Getreide, daher sind sie schwer oder gar nicht verdaubar (siehe oben). Wenn man seinen Meerschweinchen eine gesunde und leckere Belohnung geben möchten, kann man getrocknetes und frisches Obst, Kräuter oder getrocknetes Gemüse geben.

Nahrungsergänzungsmittel

Nahrungsergänzungsmittel (z. B. Vitaminpräparate) sind bei gesunden Meerschweinchen nicht nötig.

Salz‐ und Kalksteine sollten Meerschweinchen nicht angeboten werden. Sie sind bestenfalls überflüssig, schlimmstenfalls schädlich. Gründe hierfür: Salzlecksteine bestehen zum großen Teil aus Natriumchlorid. Den Bedarf daran können die Meerschweinchen aber problemlos über Heu, Gras, Kräuter und Gemüse decken. Deswegen ist ein Salzleckstein nutzlos.

Schädlich wird es, wenn die Meerschweinchen (z. B. aus Langeweile) viel von dem Stein auf einmal fressen. Das führt schlimmstenfalls zum sofortigen Tod durch Austrocknung oder Nierenversagen.

Manche Meerschweinchen entwickeln auch eine Art Sucht: Am Stein lecken, trinken gehen, am Stein lecken, trinken gehen… Dieses Verhalten belastet die Nieren extrem und führt dann evtl. zu Nierenversagen…

Ähnliches gilt auch für die Mineralsteine. Hier ist das Problem der hohe Calciumgehalt. Zu viel davon begünstigt Arthritis, Blasenschlamm, Blasensteine und Nierensteine.

Autor: saloiv
zuletzt aktualisiert: 15. November 2009


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