Einmal süße Mäusebabies?

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Nicht wenige Mäusehalter haben den – auf den ersten Blick nachvollziehbaren – Wunsch, einmal Mäusebabies aufwachsen zu sehen. Sind es doch so niedliche, unkomplizierte und kleine Tierchen, die sich so problemlos vermehren lassen. Die süßesten Babies behält man einfach selber, und den restlichen Nachwuchs bekommt man schon irgendwie unter…

Leider ist es mit diesen Gedanken bei Weitem nicht getan! Zu einer verantwortungsvollen Zucht von Mäusenachwuchs gehört weit mehr, als ein Mäusemännchen und ein Mäuseweibchen zusammenzusetzen. Einem «normalen» Mäusehalter ist daher aus folgenden Gründen dringend von der «Zucht» eigener Mäusebabies abzuraten:

  1. In den meisten Fällen (Zooladenkauf/​Tierheimmäuse/​private Vermittlung) weiß der Halter nichts über die Herkunft seiner Mäuse, geschweige denn über deren genetische Voraussetzungen.
  2. Tiere aus Zooläden (und somit letztendlich auch die meisten Tierheimmäuse bzw. Tiere aus privater Vermittlung) stammen in der Regel aus sogenannten «Massenvermehrungen», in denen die Mäuse planlos und ununterbrochen vermehrt werden und das Thema «Inzucht» keine Rolle spielt. Zooladenmäuse sind daher nicht selten deutlich kleiner und leider auch krankheitsanfälliger als Tiere von seriösen Züchtern. Diese Tiere zu vermehren, wäre schlicht unverantwortlich.
  3. Seriöse Mäusezüchter geben ihre Tiere nur in gleichgeschlechtlichen Gruppen ab und verpflichten den zukünftigen Mäusehalter, diese Tiere keinesfalls zur «Zucht» einzusetzen. Dies hat den Grund, dass
  4. zur seriösen Mäusezucht ein umfangreiches Wissen bezüglich der Genetik der Mäuse erforderlich ist. Nicht umsonst gibt es umfangreiche Gentabellen, in denen aufgelistet wird, welche Gene zu einer Qualzucht führen oder in Kombination zu schweren Missbildungen oder gar zu Totgeburten führen.

Welcher Mäusehalter jedoch hat jemals von all den Gencodes gehört? Welcher Mäusehalter weiß, ob nicht die Elterntiere seiner Mäuse eines dieser Gene in sich trugen und vererbt haben, auch wenn die Maus z. B. gar nicht wie eine «Lockenmaus» aussieht? Verpaart man nun also ohne genetisches Wissen einfach zwei Mäuse, ist die Wahrscheinlichkeit, dass eine Qualzucht oder eine Totgeburt die Folge ist, nicht von der Hand zu weisen.

Selbst wenn man «Glück» hat und die Babies überleben und nicht qualzüchtig sind – was passiert dann mit dem Nachwuchs? Eine Farbmaus kann alle drei Wochen werfen und pro Wurf 4–14 Junge zur Welt bringen, gelegentlich sogar noch mehr. Häufig gibt es pro Wurf mehr männliche als weibliche Tiere – diese müssen rechtzeitig (28. Tag) nach Geschlechtern getrennt und die Mäusemännchen kastriert werden, damit sie sich nicht igendwann zerfleischen. Eine Kastration kostet je nach Tierarzt zwischen 20 und 80 Euro – bei 10 Männchen kann man sich die Kosten leicht ausrechnen. Abgesehen davon werden (s. o.) Zooladenmäuse meist nicht so groß und schwer wie Mäuse aus einer seriösen Zucht – was also, wenn die Mäusejungs das erforderliche Kastrationsgewicht von 30 g nicht erreichen?

tierwikiAutor: seven
zuletzt aktualisiert: 12. Februar 2010


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