Kanarienvögel

Der Ka­na­ri­en­vo­gel (Se­ri­nus ca­na­ria) ge­hört zur Fa­mi­lie der Fin­ken und stammt ur­sprüng­lich von den Ka­na­ri­schen In­seln, Ma­deira und den Azo­ren. Der wilde Ka­na­ri­en­vo­gel sieht dem Gir­litz (Se­ri­nus se­ri­nus) sehr ähn­lich, mit dem er auch ver­wandt ist. Durch Zucht­aus­wahl sind viele ver­schie­dene Ka­na­ri­en­vo­gel­ras­sen ent­stan­den, die au­ßer ih­rem Ver­hal­ten mit dem wild­le­ben­den Ka­na­ri­en­vo­gel nicht mehr viel ge­mein­sam ha­ben.

Die Zucht­for­men wer­den in drei Ka­te­go­rien ein­ge­teilt:

  • Farb­ka­na­ri­en­vö­gel
    Bei ih­nen wird auf eine be­stimmte Farbe hin ge­züch­tet. Durch Ein­kreu­zung des Ka­pu­zen­zei­sigs (Car­du­e­lis cu­cul­lata) konn­ten rote Ka­na­ri­en­vö­gel ge­züch­tet wer­den.
  • Po­si­tur­ka­na­ri­en­vö­gel,
    Sie wer­den mit ver­än­der­tem Kör­per­bau und/​oder Fe­der­struk­tur ge­züch­tet, bei­spiels­weise Hau­ben­ka­na­ri­en­vö­gel oder Ras­sen mit ge­bo­ge­nem Kör­per­bau.
  • Ge­sangs­ka­na­ri­en­vö­gel
    Bei ih­nen ist das Zucht­ziel ein be­son­ders viel­sei­ti­ger und schö­ner Ge­sang, z. B. die be­kann­ten «Har­zer Rol­ler».

Einzelhaltung, Gruppenhaltung, Paarhaltung?

Ka­na­ri­en­vö­gel sind we­der Schwarm­vö­gel noch Ein­zel­gän­ger. Wild­le­bende Ka­na­ri­en­vö­gel be­an­spru­chen in der Brut­zeit paar­weise Re­viere, die vom Hahn auch ge­gen Art­ge­nos­sen ver­tei­digt wer­den. Ist die Brut­zeit vor­bei, ge­hen die Pär­chen aus­ein­an­der und die Vö­gel fin­den sich zu klei­nen Grup­pen zu­sam­men, die ge­mein­sam auf Nah­rungs­su­che ge­hen. Ka­na­ri­en­vö­gel ver­paa­ren sich je­des Jahr neu und auch die Grup­pen ha­ben keine feste Zu­sam­men­stel­lung, son­dern es son­dern sich im­mer wie­der ein­zelne Vö­gel ab oder meh­rere Grup­pen schlie­ßen sich zu­sam­men. Die die­sem Ver­hal­ten am ehes­ten ent­spre­chende Hal­tung wäre also im Win­ter Schwarm­hal­tung in ei­ner Vo­liere und Paar­hal­tung wäh­rend der Brut­zeit (Früh­jahr-Som­mer).

Einzelhaltung

Wild­le­bende Ka­na­ri­en­vö­gel sind nie, oder wenn dann nur für we­nige Wo­chen al­leine (es han­delt sich dann um Vö­gel, die sich wäh­rend der Brut­zeit nicht ver­paart ha­ben). Auch wenn Ka­na­ri­en­vö­gel im Ge­gen­satz zu Pa­pa­gei­en­vö­geln bei Ein­zel­hal­tung nor­ma­ler­weise keine Ver­hal­tens­stö­run­gen zei­gen, ist Ein­zel­hal­tung in Hin­sicht auf die Bio­lo­gie der Vö­gel nicht art­ge­recht.

Paarhaltung

  • Hahn und Henne: die beste Kom­bi­na­tion. Nach­wuchs lässt sich leicht ver­mei­den (siehe Ei­ab­lage und Brut)
  • Zwei Hen­nen: grund­sätz­lich mög­lich, führt aber oft zu Pro­ble­men wie Streit um Nist­plätze (dass die Hen­nen Eier le­gen, lässt sich oft kaum ver­mei­den).
  • Zwei Hähne: kön­nen auf kei­nen Fall dau­er­haft zu­sam­men­le­ben. Sie wer­den sich spä­tes­tens in der nächs­ten Brut­zeit be­kämp­fen.

Schwarmhaltung

Zu be­ach­ten ist das Ka­na­ri­en­vö­gel wäh­rend der Brut­zeit (Früh­jahr-Som­mer) Re­viere bil­den. Bei Grup­pen­hal­tung kann es dann zu Strei­te­reien be­son­ders zwi­schen den Häh­nen kom­men. Auch die Hen­nen kämp­fen um Nist­plätze und –ma­te­rial. Des­halb sollte man bei Schwarm­hal­tung ge­nü­gend ge­eig­nete Kä­fige be­reit­stel­len, um die brut­wil­li­gen Paare darin un­ter­zu­brin­gen – ganz egal ob Nach­wuchs ge­wünscht ist oder nicht. Im Win­ter ist Schwarm­hal­tung pro­blem­los mög­lich.

Gemeinschaftshaltung mit anderen Arten

Die ge­mein­same Hal­tung ver­schie­de­ner Ar­ten sollte man grund­sätz­lich un­ter­las­sen. Die ver­ge­sell­schaf­te­ten Ar­ten be­nö­ti­gen ent­we­der völ­lig un­ter­schied­li­ches Fut­ter, das bei ei­ner an­de­ren Vo­gel­art nicht sel­ten zu ernst­haf­ten Ge­sund­heits­stö­run­gen führt, oder eine Art ist der an­de­ren kör­per­lich un­ter­le­gen, was zu Ver­let­zun­gen füh­ren kann.

Geschlechtsbestimmung

Gesang

Der Ge­sang ist kein zu­ver­läs­si­ges Ge­schlechts­merk­mal. Zwar sin­gen haupt­säch­lich die Hähne, aber sin­gende Hen­nen sind auch keine Sel­ten­heit. Ebenso sin­gen nicht alle Hähne das ganze Jahr über. Ver­wechs­lun­gen sind also vor­pro­gram­miert, ver­lässt man sich aus­schließ­lich dar­auf.

Form der Kloake

Um das Ge­schlecht des Ka­na­ri­en­vo­gels ge­nau zu be­stim­men, nimmt man den Vo­gel in die Hand und streicht die Fe­dern in der Kloa­ken­re­gion bei­seite. Die Kloake ist bei Hen­nen ein run­der, fla­cher «Knopf», bei Häh­nen ist sie eher zap­fen­för­mig und schaut in Rich­tung Bauch. Aber diese Un­ter­schiede sind bei jun­gen, noch nicht ge­schlechts­rei­fen Ka­na­ris kaum aus­ge­prägt und es ge­hört auch spä­ter et­was Er­fah­rung dazu, um so das Ge­schlecht si­cher be­stim­men zu kön­nen.

Käfige und Volieren

Min­dest­größe für ei­nen für ein Ka­na­ri­en­pär­chen mit täg­li­chem Frei­flug ge­eig­ne­ten Kä­fig be­trägt 80×50×50 cm (Länge/​Breite/​Höhe), wo­bei ein Kä­fig nie zu groß sein kann.

Siehe auch: Ge­eig­nete Vo­gel­kä­fige

Ka­na­ri­en­vö­gel kön­nen ganz­jäh­rig in Au­ßen­vo­lie­ren ge­hal­ten wer­den, wenn ein frost­freies Schutz­haus vor­han­den ist. Zu be­ach­ten ist, dass Ka­na­ri­en­vö­gel wäh­rend der Brut­zeit (Früh­jahr-Som­mer) Re­viere bil­den und es zu Streit zwi­schen den Tie­ren kom­men kann (siehe Schwarm­hal­tung).

Käfigeinrichtung und Zubehör

Be­son­der­hei­ten bei Ka­na­ri­en­vö­geln:

  • Die meis­ten Ka­na­ri­en­vö­gel igno­rie­ren han­dels­üb­li­ches Vo­gel­spiel­zeug. Wenn man es an­bie­ten möchte, sollte man dar­auf ach­ten, ob es auch wirk­lich be­nutzt wird. Wenn nicht, sollte man dar­auf ver­zich­ten, denn es nimmt nur Platz weg.
  • Un­gif­tige Äste, noch mit Blät­tern und Knos­pen an­ge­bo­ten, wer­den gerne als Be­schäf­ti­gung an­ge­nom­men.
  • Ka­na­ri­en­vö­gel ba­den sehr gerne. Ih­nen sollte täg­lich ein Ba­de­häus­chen oder ein fla­ches Ge­fäß mit etwa 2 cm tie­fem zim­mer­war­men Was­ser an­ge­bo­ten wer­den.
  • Ka­na­ri­en­vo­gel­hen­nen las­sen sich im Früh­jahr kaum vom Ei­er­le­gen ab­hal­ten, so­gar bei Ein­zel­hal­tung oder wenn nur Hen­nen ge­hal­ten wer­den, schrei­ten sie zur Brut – na­tür­lich sind die Eier dann un­be­fruch­tet. Für die Henne be­deu­tet es Stress, kei­nen Nist­platz zur Ver­fü­gung zu ha­ben. Sie wird ihre Eier dann in den Fut­ter­napf oder auf den Bo­den le­gen. Des­halb sollte man ih­nen, auch wenn kein Nach­wuchs ge­wünscht ist, recht­zei­tig ein ge­eig­ne­tes Nest und Nist­ma­te­rial an­bie­ten, so­wie Plas­tik­eier im Haus ha­ben (siehe Nach­wuchs ver­hin­dern).

Käfigstandort

Der Stand­ort sollte fol­gende Be­din­gun­gen er­fül­len:

  • In Au­gen­höhe: Al­les, was über ih­nen pas­siert, macht den Vö­geln Angst.
  • Mit min­des­tens ei­ner Kä­figseite zur Wand, das gibt den Vö­geln Si­cher­heit.
  • Zug­frei (lässt sich mit ei­ner Ker­zen­flamme prü­fen).
  • Nicht in der Kü­che (Dämpfe von über­hitz­ten Pfan­nen kön­nen töd­lich sein).
  • In ei­nem Zim­mer, das sich vo­gel­si­cher ein­rich­ten lässt, da­mit Frei­flug mög­lich ist.

Freiflug

Ka­na­ri­en­vö­gel brau­chen, wenn sie in han­dels­üb­li­chen Kä­fi­gen oder Klein­vo­lie­ren ge­hal­ten wer­den, täg­lich meh­rere Stun­den Frei­flug. Sie ler­nen schnell, selbst­stän­dig in den Kä­fig zu­rück­zu­keh­ren. Ge­fah­ren­quel­len im Zim­mer (etwa gif­tige Zim­mer­pflan­zen, Rit­zen zwi­schen Mö­beln und Wand oder un­be­deckte Fens­ter­schei­ben, bis sich die Tiere an die Be­gren­zung ge­wöhnt ha­ben) müs­sen vor­her be­sei­tigt wer­den. Man kann den Vö­geln ei­nen Frei­sitz (ent­we­der ste­hend und ent­spre­chend hoch, oder ei­nen Hän­ge­frei­sitz) als «Lan­de­bahn» und Sitz­platz an­bie­ten.

Ernährung

Körner und Saaten

Ka­na­ri­en­vö­gel sind Körner­fres­ser. Des­halb ist ihr Grund­nah­rungs­mit­tel eine gute, ex­tra für Ka­na­ri­en­vö­gel zu­sam­men­ge­stellte han­dels­üb­li­che Kör­ner­mi­schung. Da­von be­nö­tigt je­der Vo­gel etwa ei­nen Tee­löf­fel täg­lich. Zu­sätz­lich kann man Wild- und Gras­sa­men füt­tern.

Eine gute Fut­ter­mi­schung ent­hält keine Zu­sätze wie Bä­cke­rei­er­zeug­nisse, Ho­nig, Le­ber­tran, Zu­cker, Öle, Fette, Mol­ke­rei­er­zeug­nisse etc. Diese sind für Ka­na­ri­en­vö­gel un­nö­tig bis schäd­lich.

Kol­ben­hirse ist ein be­lieb­ter Le­cker­bis­sen. So­ge­nannte Knab­ber­stan­gen sind un­ge­sunde Dick­ma­cher und soll­ten, wenn über­haupt, nur sehr sel­ten ver­füt­tert wer­den.

Frischfutter

Frisch­fut­ter sollte nicht je­den Tag ge­ge­ben wer­den, denn zu viel Fri­sches führt zu Ver­dau­ungs­stö­run­gen. In der Brut­zeit (Früh­jahr und Som­mer) füt­tert man es etwa alle drei Tage und re­du­ziert es ab der Mau­ser­zeit (Herbst) bis auf ein­mal in der Wo­che im Win­ter.

Für Ka­na­ri­en­vö­gel ge­eig­ne­tes Grün­fut­ter:

  • Ge­keimte Kör­ner (Keim­fut­ter)
  • Fut­ter­pflan­zen: halb­reife Grä­ser, Vo­gel­miere, sog. Gol­li­woog, Lö­wen­zahn, En­di­vien, Sau­er­amp­fer, etc.
  • Wei­ches, nicht zu sau­res Obst wie Ba­na­nen, Man­da­ri­nen, Äp­fel, Wein­trau­ben, Bir­nen, Bee­ren, Me­lone etc.
  • Ge­müse: har­tes Ge­müse wird ge­ras­p­selt ver­füt­tert. Ge­eig­net sind Gur­ken, Zuc­chini, Kür­bis, Ka­rot­ten, Pa­prika etc.

Eiweißfutter

Ge­eig­net ist han­dels­üb­li­ches Ei- und Auf­zucht­fut­ter. Man kann auch ab und zu ein hal­bes hart­ge­koch­tes Ei, Ma­ger­quark oder Frisch­käse ver­füt­tern. Wäh­rend der Brut­zeit spar­sam, etwa ein­mal in der Wo­che, an­bie­ten (zu viel macht dick, was un­ter an­de­rem zu Le­ge­not füh­ren kann). Nur wenn ge­rade Jung­vö­gel im Nest sind, sollte man es täg­lich ver­füt­tern. Ge­gen Ende der Brut­zeit die Füt­te­rung mit Ei­fut­ter ab­stel­len, um den Brut­trieb zu min­dern. Im Win­ter nur sehr spar­sam oder über­haupt nicht an­bie­ten.

Trinkwasser

Fri­sches, sau­be­res Was­ser muss im­mer zur Ver­fü­gung ste­hen. Ge­eig­net ist Lei­tungs­was­ser oder koh­len­säu­re­freies Mi­ne­ral­was­ser.

Mineralien und Grit

Ka­na­ri­en­vö­gel brau­chen Grit, also Ma­gen­stein­chen, für eine nor­male Ver­dau­ung. Wenn man nicht Vo­gel­sand, der be­reits Grit ent­hält, als Ein­streu ver­wen­det, muss stän­dig Grit in ei­nem Napf an­ge­bo­ten wer­den. Um die Mi­ne­ra­li­en­ver­sor­gung si­cher zu stel­len, sollte ein wei­cher Mi­ne­ral­stein oder eine Se­pia­schale im Kä­fig hän­gen. Bei le­gen­den Hen­nen ist das be­son­ders wich­tig, hier kann so­gar ein zu­sätz­li­ches Mi­ne­ral­stoff­prä­pa­rat sinn­voll sein. Wei­tere Vit­amin- und Mi­ne­ral­stoff­prä­pa­rate sind bei rich­ti­ger Füt­te­rung nor­ma­ler­weise nicht nö­tig (Aus­nahme: Vit­amin A beim Farb­schlag «Re­zes­siv Weiß»).

Vitamin-A-Fütterung beim Farbschlag «Rezessiv Weiß»

Ka­na­ri­en­vö­gel des Farb­schla­ges «Re­zes­siv Weiß» (rein weiße Vö­gel ohne Farb­reste an den Flü­geln) kön­nen kein Vit­amin A aus de­nen mit der Nah­rung auf­ge­nom­me­nen Pro­vit­ami­nen bil­den. Des­halb muss man ih­nen mit dem Fut­ter ge­nü­gend «fer­ti­ges» Vit­amin A zu­füh­ren. In pflanz­li­cher Nah­rung ist Vit­amin A nur als Vor­stufe (Ca­ro­tin) ent­hal­ten. Von den für Ka­na­ri­en­vö­gel ver­träg­li­che Fut­ter­mit­tel ent­hält nur Ei­fut­ter nen­nens­werte Men­gen Vit­amin A, das die Vö­gel aber nicht das ganze Jahr über und in den für die Vit­amin-A-Ver­sor­gung nö­ti­gen Men­gen be­kom­men soll­ten. Des­halb sollte man re­zes­siv wei­ßen Ka­na­ri­en­vö­geln zu­sätz­lich ein Vit­amin­prä­pa­rat ver­ab­rei­chen.

Rotfutter

Rote Ka­na­ri­en­vö­gel wer­den nicht rot ge­bo­ren, son­dern la­gern, im Ge­gen­satz zu an­ders­far­bi­gen Art­ge­nos­sen, ver­stärkt durch das Fut­ter auf­ge­nom­mene Farb­pig­mente im Ge­fie­der ein. Des­halb muss man ro­ten Ka­na­ri­en­vö­geln Farb­stoffe (Cant­ha­x­an­tin) in Form von so­ge­nann­ten Rot­fut­ter zu­füt­tern, will man die rote Farbe auch nach der nächs­ten Mau­ser zu er­hal­ten. Um eine Rot­fär­bung zu er­hal­ten, muss das Rot­fut­ter je­des Jahr wäh­rend der ge­sam­ten Maus­er­pe­ri­ode ge­füt­tert wer­den. Nicht rote Ka­na­ri­en­vö­gel wer­den, wenn sie diese Farb­stoffe auf­neh­men, schwach rot­sti­chig (zu be­ach­ten bei Ge­mein­schafts­hal­tung von ro­ten und nicht ro­ten Ka­na­ri­en­vö­geln). Cant­ha­x­an­tin scheint, in den an Ka­na­ri­en­vö­gel ver­füt­terte Men­gen, keine schäd­li­chen Wir­kun­gen zu ha­ben. Die Vö­gel brau­chen das Rot­fut­ter aber auch nicht, um ge­sund zu blei­ben.

Eiablage und Brut

Nester und Nistmaterial

Die na­tür­li­che Brut­zeit be­ginnt im Früh­jahr und en­det im Som­mer. Die meis­ten Hen­nen wer­den dann Eier le­gen, auch wenn kein Nest vor­han­den ist. Not­falls miss­brau­chen sie den Fut­ter­napf als «Nest». Des­halb sollte man ih­nen gleich ein Nest und Nist­ma­te­rial an­bie­ten. Es gibt Ka­na­ri­en­vo­gel­nes­ter in ver­schie­de­nen Aus­füh­run­gen im Fach­han­del, zum ei­nem Nist­körbe, zum an­de­ren so ge­nannte Kai­ser­nes­ter, die man wie ein Ba­de­häus­chen an die Kä­fig­tür hängt. Im Zwei­fels­fall kann man bei­des an­bie­ten und die Vö­gel ent­schei­den las­sen.

Dazu reicht man Nist­ma­te­rial, das am bes­ten mit ei­ner Wä­sche­klam­mer am Git­ter be­fes­tigt wird. Ge­eig­net sind: Schar­pie (zer­zupfte Baum­wolle), Tier­haar (wird ge­rei­nigt und ab­ge­packt im Fach­han­del ver­kauft), Baum­woll­scho­ten oder Ko­kos­fa­sern. Auf kei­nen Fall darf man dün­nes, fa­den­zie­hen­des Ma­te­rial wie Watte an­bie­ten: Das birgt Ver­let­zungs­ge­fahr für El­tern und even­tu­elle Jung­vö­gel. Wäh­rend der Balz wer­den die Vö­gel un­ru­hig: Der Hahn singt mehr als sonst, füt­tert die Henne, die Henne schlägt vor dem Hahn mit den Flü­geln, trägt Nist­ma­te­rial durch den Kä­fig und es kommt zur Paa­rung. Nest­bau (der etwa eine Wo­che dau­ert) ist Auf­gabe der Henne, wäh­rend der Hahn die ganze Brut­zeit über singt und die Henne füt­tert.

Normales Legeverhalten und Legenot

Etwa eine Wo­che nach Be­ginn des Nest­baus kann man mit Ei­ern rech­nen. Diese wer­den am frü­hen Mor­gen ge­legt. Zum Le­gen stellt sich die Henne ins Nest und presst mit ge­öff­ne­ten Schna­bel. Man sollte sie da­bei kei­nes­falls stö­ren. Die Eier wer­den im Ab­stand von ei­nem Tag ge­legt, d. h. ein Tag wird ge­legt, dann folgt ein Tag Pause. Zwi­schen­durch zwei Tage Pause kann auch vor­kom­men. Dies geht so lang, bis das Ge­lege mit 3 bis 6 Ei­ern voll­stän­dig ist. Do­mes­ti­zierte Ka­na­ri­en­vo­gel­hen­nen fan­gen meist schon gleich nach dem ers­ten Ei mit dem Brü­ten an.

Le­ge­not, also Pro­bleme bei der Ei­ab­lage, sind ein Not­fall: Die Henne kann daran ster­ben. Man sollte sie also si­cher er­ken­nen kön­nen und im­mer die Adresse ei­nes vo­gel­kun­di­gen Tier­arz­tes griff­be­reit ha­ben, um schnell re­agie­ren zu kön­nen.

Sym­ptome der Le­ge­not:

  • Die Henne sitzt auf­ge­plus­tert, oft mit ge­schlos­se­nen Au­gen, auf der Stange, im Nest oder auf dem Bo­den und presst ab und zu ver­geb­lich.
  • Manch­mal sieht die Kloa­ken­re­gion ge­run­det aus, man kann das Ei er­ah­nen.
  • Die Henne wird schnell schwä­cher und zeigt sich oft we­ni­ger ängst­lich als sonst.
  • Manch­mal stößt die Henne Schmer­zens­laute aus.

Nachwuchs verhindern

Man darf­die Eier auf kei­nen Fall ein­fach ent­fer­nen, da die Henne so­fort Neue le­gen würde – so lange bis sie völ­lig ge­schwächt wäre. Statt­des­sen kann man die Eier ge­gen Plas­tik­eier aus­tau­schen. Diese sind in der rich­ti­gen Größe in gu­ten Zoo­fach­ge­schäf­ten er­hält­lich. Oft be­kommt man sie al­ler­dings ein­fa­cher bei auf Heim­tier­zu­be­hör spe­zia­li­sier­ten On­line­shops. Eine Al­ter­na­tive zu Plas­tik ist die Ste­ri­li­sa­tion der Eier. Dazu legt man sie kurz in ko­chen­des Was­ser, lässt sie ab­küh­len und legt sie wie­der un­ter. Oder man sticht sie mit ei­ner fei­nen Na­del tief an. Da­bei ge­hen sie al­ler­dings leicht ka­putt. Frisch ge­legte, noch nicht be­brü­tete Eier ent­hal­ten noch kein Em­bryo. Man ver­hin­dert also so nur, dass sich ei­nes ent­wi­ckelt und tö­tet es nicht.

In je­dem Fall lässt man da­nach die Henne auf den künst­li­chen bzw. ste­ri­li­sier­ten Ei­ern drei Wo­chen lang brü­ten und ent­fernt diese dann zu­sam­men mit dem Nest. Oft ver­lässt die Henne das Ge­lege auch schon vor­her, in dem Fall ent­fernt man das Nest ab die­sem Zeit­punkt.

Die meis­ten Hen­nen ver­su­chen da­nach noch eine zweite Brut. Das ist auch noch ok, mehr sollte man aber nicht zu­las­sen.

Den Brut­trieb kann man Fol­gen­der­ma­ßen re­du­zie­ren:

  • Grün­fut­ter für ein paar Wo­chen stark re­du­zie­ren und auch kein Ei­fut­ter mehr an­bie­ten.
  • Nes­ter und Nist­ma­te­rial ent­fer­nen. Even­tu­ell auf Bo­den­füt­te­rung in ei­ner fla­chen Schale um­stei­gen, falls Fut­ter­näpfe hart­nä­ckig als Nes­ter miss­braucht wer­den.
  • Eine Fut­ter­mi­schung ohne Hanf­sa­men ver­wen­den, da Hanf den Brut­trieb för­dert.
  • Ab­neh­mende oder we­nigs­tens gleich blei­bende Ta­ges­licht­länge von etwa 8 Stun­den, d. h. die Vö­gel in ei­nem Raum hal­ten, der abends nicht mehr be­leuch­tet wird.

Der Sinn die­ser Maß­nah­men ist es, das Ende der Brut­zeit zu si­mu­lie­ren. In der Hei­mat der wild­le­ben­den Ka­na­ri­en­vö­gel wird ge­gen Ende der Brut­zeit das Nah­rungs­an­ge­bot knap­per und die Ta­ges­länge nimmt ab, wo­durch au­to­ma­tisch der Brut­trieb schwä­cher wird.

Au­tor: Ani­tram
zu­letzt ak­tua­li­siert: 7. April 2016


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