Kanarienvögel

Der Kanarienvogel (Serinus canaria) gehört zur Familie der Finken und stammt ursprünglich von den Kanarischen Inseln, Madeira und den Azoren. Der wilde Kanarienvogel sieht dem Girlitz (Serinus serinus) sehr ähnlich, mit dem er auch verwandt ist. Durch Zuchtauswahl sind viele verschiedene Kanarienvogelrassen entstanden, die außer ihrem Verhalten mit dem wildlebenden Kanarienvogel nicht mehr viel gemeinsam haben. Die Zuchtformen werden in drei Kategorien eingeteilt:

  • Farbkanarienvögel, bei denen auf eine bestimmte Farbe hin gezüchtet wird. Durch Einkreuzung des Kapuzenzeisigs (Carduelis cucullata) konnten rote Kanarienvögel gezüchtet werden.
  • Positurkanarienvögel, mit verändertem Körperbau und/oder Federstruktur wie Haubenkanarienvögel oder Rassen mit gebogenem Körperbau.
  • Gesangskanarienvögel, bei denen ein besonders vielseitiger und schöner Gesang das Zuchtziel ist. Zum Beispiel die bekannten Harzer Roller.

Einzelhaltung, Gruppenhaltung, Paarhaltung?

Kanarienvögel sind weder Schwarmvögel noch Einzelgänger. Wildlebende Kanarienvögel beanspruchen in der Brutzeit paarweise Reviere, die vom Hahn auch gegen Artgenossen verteidigt werden. Ist die Brutzeit vorbei, gehen die Pärchen auseinander, und die Vögel finden sich zu kleinen Gruppen zusammen, die gemeinsam auf Nahrungssuche gehen. Kanarienvögel verpaaren sich jedes Jahr neu, und auch die Gruppen haben keine feste Zusammenstellung, sondern es sondern sich immer wieder einzelne Vögel ab oder mehrere Gruppen schließen sich zusammen. Die diesem Verhalten am ehesten entsprechende Haltung wäre also im Winter Schwarmhaltung in einer Voliere, und währen der Brutzeit (Frühjahr-Sommer) paarweise Haltung.

Einzelhaltung

Wildlebende Kanarienvögel sind nie, oder wenn dann (diejenigen die sich in der Brutzeit nicht verpaart haben) nur für wenige Wochen alleine. Auch wenn Kanaris im Gegensatz zu Papageienvögeln bei Einzelhaltung normalerweise keine Verhaltensstörungen zeigen, ist Einzelhaltung in Hinsicht auf die Biologie der Vögel nicht artgerecht.

Paarhaltung

  • Hahn und Henne: die beste Kombination. Nachwuchs lässt sich leicht vermeiden (siehe Eiablage und Brut)
  • Zwei Hennen: grundsätzlich möglich, führt aber oft zu Problemen wie Streit um Nistplätze (das die Hennen Eier legen lässt sich oft kaum vermeiden).
  • Zwei Hähne: können auf keinen Fall dauerhaft zusammenleben, sie werden sich spätestens in der nächsten Brutzeit bekämpfen.

Schwarmhaltung

Zu beachten ist das Kanarienvögel während der Brutzeit (Frühjahr-Sommer) Reviere bilden. Bei Gruppenhaltung kann es dann zu Streitereien besonders zwischen den Hähnen kommen, und auch die Hennen kämpfen um Nistplätze und -material. Deshalb sollte man bei Schwarmhaltung genügend geeignete Käfige bereitstellen um die brutwilligen Paare darin unterzubringen – ganz egal ob Nachwuchs gewünscht ist oder nicht. Im Winter ist Schwarmhaltung problemlos möglich.

Gemeinschaftshaltung mit anderen Arten

Bei Gemischthaltung verschiedener Arten muss man grundsätzlich vorsichtig sein. Die vergesellschafteten Arten sollten in jedem Fall ähnlich groß sein und ein artgleicher Partner muss trotzdem vorhanden sein. Einige Arten sind so aggressiv, dass eine Gemischthaltung nicht zu empfehlen ist, z. B. Agaporniden oder Bandfinken. Handelsübliche Käfige sind für Gemeinschaftshaltung zu klein, wenn dann nur in Volieren. Mit Kanarienvögeln bedingt vergesellschaftbare Arten:

Wellensittiche, Nympensittiche und andere friedliche, kleine Sitticharten

Diese können bei Volierenhaltung mit Kanarienvögeln vergesellschaftet werden oder bei Wohnungshaltung gemeinsamen Freiflug bekommen. Allerdings wären bei Streit die Kanarienvögel unterlegen und können unter Umständen schwer verletzt werden. Die Arten sind sehr verschieden und können nicht kommunizieren, was zu Stress führt. Gemeinschaftshaltung ist also wirklich nur in wirklich großen Volieren bedingt möglich, wenn auch nicht sehr empfehlenswert.

Friedliche Prachtfinken wie Zebrafinken oder manche Amadinen

Vertragen sich bei genügend Platzangebot zwar relativ gut mit Kanarienvögeln, haben aber andere Futteransprüche. Kanarienvogelfutter ist für diese Arten zu fetthaltig und führt früher oder später zu ernsten Gesundheitsschäden. Außerdem kann es in der Brutzeit zu Streit um Nistmaterial kommen, besonders Zebrafinken versuchen sogar den Kanaris Federn als Nistmaterial auszurupfen. Man kann die Kanarienvögel zwar mit einer Mischung aus Exotenfutter und Spitzsaat ernähren, die auch für die Prachtfinken verträglich ist, ideal ist die Gemeinschaftshaltung trotzdem nicht.

Geschlechtsbestimmung

Gesang

Ist KEIN zuverlässiges Geschlechtsmerkmal. Zwar singen hauptsächlich die Hähne, aber singende Hennen sind auch keine Seltenheit. Ebenso singen nicht alle Hähne das ganze Jahr über.

Form der Kloake

Man nimmt dafür den Vogel in die Hand und streicht die Federn in der Kloakenregion beiseite. Die Kloake ist bei Hennen eine runder, flacher „Knopf“, bei Hähnen ist sie eher zapfenförmig und schaut in Richtung Bauch. Aber diese Unterschiede sind bei jungen, noch nicht geschlechtsreifen Kanaris kaum ausgeprägt und es gehört auch später etwas Erfahrung dazu um so das Geschlecht sicher bestimmen zu können.

Käfige und Volieren

Mindestgröße für einen für ein Kanarienpärchen mit täglichem Freiflug geeigneten Käfig beträgt 80x50x50 cm (Länge/Breite/Höhe), wobei ein Käfig nie zu groß sein kann.

Siehe Artikel:Geeignete Vogelkäfige

Kanarienvögel können ganzjährig in Aussenvolieren gehalten werden, wenn ein frostfreies Schutzhaus vorhanden ist. Zu beachten ist das Kanarienvögel während der Brutzeit (Frühjahr-Sommer) Reviere bilden. Bei Gruppenhaltung kann es dann zu Streitereien besonders zwischen den Hähnen kommen, und auch die Hennen kämpfen um Nistplätze und -material. Deshalb sollte man bei Schwarmhaltung genügend geeignete Käfige bereitstellen um die brutwilligen Paare darin unterzubringen – ganz egal ob Nachwuchs gewünscht ist oder nicht.

Käfigeinrichtung und Zubehör

Besonderheiten bei Kanarienvögeln:

  • Die meisten Kanarienvögel ignorieren handelsübliches Vogelspielzeug. Wenn man es anbieten möchte, sollte man darauf achten ob es auch wirklich benutzt wird. Wenn nicht, sollte man darauf verzichten, es nimmt nur Platz weg.
  • Ungiftige Äste, noch mit Blättern und Knospen angeboten, werden gerne als Beschäftigung angenommen.
  • Kanarienvögel baden sehr gerne. Ihnen sollte täglich ein Badehäuschen oder ein flaches Gefäß mit etwa 2 cm zimmerwarmen Wasser angeboten werden.
  • Kanarienvogelhennen lassen sich im Frühjahr kaum vom Eier legen abhalten, sogar bei Einzelhaltung oder wenn nur Hennen gehalten werden schreiten sie zur Brut (natürlich sind die Eier dann unbefruchtet). Für die Henne bedeutet es Stress keinen Nistplatz zur Verfügung zu haben, sie wird ihre Eier dann in den Futternapf oder auf den Boden legen. Deshalb sollte man ihnen, auch wenn kein Nachwuchs gewünscht ist, rechtzeitig ein geeignetes Nest und Nistmaterial anbieten, sowie Plastikeier im Haus haben (Siehe Nachwuchs verhindern)

Käfigstandort

Der Standort sollte folgende Bedingungen erfüllen:

  • In Augenhöhe: alles was über ihnen passiert macht den Vögeln Angst.
  • Mit mindestens einer Käfigseite zur Wand, das gibt den Vögeln Sicherheit.
  • Zugfrei (lässt sich mit einer Kerzenflamme prüfen)
  • Nicht in der Küche (Dämpfe von überhitzten Pfannen können tödlich sein)
  • In einem Zimmer das sich vogelsicher einrichten lässt, damit Freiflug möglich ist.

Freiflug

Kanarienvögel brauchen, wenn sie in handelsüblichen Käfigen oder Kleinvolieren gehalten werden, täglich mehrere Stunden Freiflug. Sie lernen schnell selbstständig in den Käfig zurückzukehren. Gefahrenquellen im Zimmer (giftige Zimmerpflanzen, Ritzen zwischen Möbeln und Wand, unbedeckte Fensterscheiben bis sich die Tiere an die Begrenzung gewöhnt haben…) müssen vorher beseitigt werden. Man kann den Vögeln einen Freisitz (entweder stehend und entsprechend hoch, oder einen Hängefreisitz) als „Landebahn“ und Sitzplatz anbieten.

Ernährung

Körner und Saaten

Kanarienvögel sind Körnerfresser, deshalb ist ihr Grundnahrungsmittel eine gute, extra für Kanarienvögel zusammengestellte handelsübliche Körnermischung. Davon benötigt jeder Vogel etwa einen Teelöffel täglich. Zusätzlich kann man Wild- und Grassamen füttern.

Eine gute Futtermischung enthält keine Zusätze wie Bäckereierzeugnisse, Honig, Lebertran, Zucker, Öle, Fette, Molkereierzeugnisse, etc. Diese sind für Kanarienvögel unnötig bis schädlich.

Kolbenhirse ist ein beliebter Leckerbissen.

Sogenannte Knabberstangen sind ungesunde Dickmacher und sollten, wenn überhaupt, nur sehr selten verfüttert werden.

Frischfutter

Frischfutter sollte nicht jeden Tag gegeben werden, zu viel führt zu Verdauungsstörungen. In der Brutzeit (Frühjahr und Sommer) füttert man es etwa alle drei Tage, und reduziert es ab der Mauserzeit (Herbst) bis auf einmal in der Woche im Winter.

Für Kanarienvögel geeignetes Grünfutter:

  • Gekeimte Körner (Keimfutter)
  • Futterpflanzen: halbreife Gräser, Vogelmiere, sog. Golliwoog, Löwenzahn, Endivien, Sauerampfer…
  • Weiches, nicht zu saures Obst (Bananen, Mandarinen, Äpfel, Weintrauben, Birnen, Beeren, Melone…)
  • Gemüse: hartes Gemüse wird geraspselt verfüttert. Gurken, Zucchini, Kürbis, Karotten, Paprika…

Eiweißfutter

Geeignet ist handelsübliches Ei- und Aufzuchtfutter. Man kann auch ab und zu ein halbes hartgekochtes Ei, Magerquark oder Frischkäse verfüttern. Während der Brutzeit sparsam, etwa einmal in der Woche, anbieten (zu viel macht dick, was unter anderem zu Legenot führen kann), nur wenn gerade Jungvögel im Nest sind täglich. Gegen Ende der Brutzeit die Fütterung mit Eifutter abstellen um den Bruttrieb zu mindern. Im Winter nur sehr sparsam oder überhaupt nicht.

Trinkwasser

Frisches, sauberes Wasser muss immer zur Verfügung stehen. Geeignet ist Leitungswasser oder kohlensäurefreies Mineralwasser.

Mineralien und Grit

Kanarienvögel brauchen Grit, also Magensteinchen, für eine normale Verdauung. Wenn man nicht Vogelsand als Einstreu verwendet (der bereits Grit enthält), muss ständig Grit in einem Napf angeboten werden. Um die Mineralienversorgung sicher zu stellen sollte ein weicher Mineralstein oder eine Sepiaschale im Käfig hängen. Bei legenden Hennen ist das besonders wichtig, hier kann sogar ein zusätzliches Mineralstoffpräparat sinnvoll sein. Weitere Vitamin- und Mineralstoffpräparate sind bei richtiger Fütterung normalerweise nicht nötig (Ausnahme: Vitamin A beim Farbschlag Rezessiv Weiß).

Vitamin-A-Fütterung beim Farbschlag Rezessiv Weiß

Kanarienvögel des Farbschlages „Rezessiv Weiß“ (rein weiße Vögel ohne Farbreste an den Flügeln) können kein Vitamin A aus denen mit der Nahrung aufgenommenen Provitaminen bilden. Deshalb muss man ihnen mit dem Futter genügend „fertiges“ Vitamin A zuführen. In pflanzlicher Nahrung ist Vitamin A nur als Vorstufe (Carotin) enthalten. Von den für Kanarienvögel verträgliche Futtermittel enthält nur Eifutter nennenswerte Mengen Vitamin A, das die Vögel aber nicht das ganze Jahr über und in den für die Vitamin-A-Versorgung nötigen Mengen bekommen sollten, deshalb sollte man rezessiv weißen Kanarienvögeln zusätzlich ein Vitaminpräparat verabreichen.

Rotfutter

Rote Kanarienvögel werden nicht rot geboren, sondern lagern, im Gegensatz zu andersfarbigen Kanaris, verstärkt durch das Futter aufgenommene Farbpigmente im Gefieder ein. Deshalb muss man roten Kanarienvögeln Farbstoffe (Canthaxantin) in Form von sogenannten Rotfutter zufüttern, will man die rote Farbe auch nach der nächsten Mauser zu erhalten. Um eine Rotfärbung zu erhalten muss das Rotfutter jedes Jahr während der gesamten Mauserperiode gefüttert werden. Für rote Jungvögel schon während der Brut, und nach dem Schlupf bis die Jugendmauser abgeschlossen ist. Nicht rote Kanarienvögel werden, wenn sie diese Farbstoffe aufnehmen, schwach rotstichig (zu beachten bei Gemeinschaftshaltung von roten und nicht roten Kanaris). Canthaxantin scheint, in den an Kanarienvögel verfütterte Mengen, keine schädlichen Wirkungen zu haben. Die Vögel brauchen das Rotfutter aber auch nicht um gesund zu bleiben.

Eiablage und Brut

Nester und Nistmaterial

Die natürliche Brutzeit ist im Frühjahr bis Sommer. Die meisten Hennen werden dann Eier legen, auch wenn kein Nest vorhanden ist, notfalls in den Futternapf. Deshalb sollte man ihnen gleich ein Nest und Nistmaterial anbieten. Es gibt Kanarienvogelnester in verschiedenen Ausführungen im Fachhandel, zum einem Nistkörbe, zum anderen so genannte Kaisernester die man wie ein Badehäuschen an die Käfigtür hängt, im Zweifelsfall kann man beides anbieten und die Vögel entscheiden lassen. Dazu Nistmaterial, das am besten mit einer Wäscheklammer am Gitter befestigt wird. Geeignet sind: Scharpie (zerzupfte Baumwolle), Tierhaar (wird gereinigt und abgepackt im Fachhandel verkauft), Baumwollschoten oder Kokosfasern. Auf keinen Fall dünnes, fadenziehendes Material wie Watte anbieten, das birgt Verletzungsgefahr für Eltern und eventuelle Jungvögel. Während der Balz werden die Vögel unruhig, der Hahn singt mehr als sonst, füttert die Henne, die Henne schlägt vor dem Hahn mit den Flügeln, trägt Nistmaterial durch den Käfig und es kommt zur Paarung. Nestbau (der etwa eine Woche dauert) ist Aufgabe der Henne während der Hahn die ganze Brutzeit über singt und die Henne füttert.

Normales Legeverhalten und Legenot

Etwa eine Woche nach Beginn des Nestbaus kann man mit Eiern rechnen. Die werden am frühen Morgen gelegt. Zum Legen stellt sich die Henne ins Nest und presst mit geöffneten Schnabel. Man sollte sie dabei keinesfalls stören. Die Eier werden im Abstand von einem Tag gelegt (ein Tag wird gelegt, ein Tag Pause, zwischendurch zwei Tage Pause kann auch vorkommen) bis das Gelege mit 3 bis 6 Eiern vollständig ist. Domestizierte Kanarienvogelhennen fangen meist schon gleich nach dem ersten Ei mit dem Brüten an.

Legenot, also Probleme bei der Eiablage, sind ein Notfall, die Henne kann durchaus daran sterben. Man sollte sie also sicher erkennen können und immer die Adresse eines vogelkundigen Tierarztes griffbereit haben, um schnell reagieren zu können. Symptome der Legenot:

  • Die Henne sitzt aufgeplustert, oft mit geschlossenen Augen, auf der Stange, im Nest oder auf dem Boden und presst ab und zu vergeblich
  • Manchmal sieht die Kloakenregion gerundet aus, man kann das Ei erahnen
  • Die Henne wird schnell schwächer und zeigt sich oft weniger ängstlich als sonst
  • Manchmal Schmerzenslaute

Nachwuchs verhindern

Man darf die Eier auf keinen Fall einfach entfernen, da die Henne sofort Neue legen würde, so lange bis sie völlig geschwächt wäre.

  • Einfachste Möglichkeit: die Eier gleich nach dem Legen gegen Plastikeier austauschen. Die gibt es in der richtigen Größe in guten Zoofachgeschäften, oft bekommt man sie einfacher bei auf Heimtierzubehör spezialisierten Onlineshops.
  • Zweite Möglichkeit: die echten Eier sterilisieren. Dazu kann man sie kurz in kochendes Wasser legen (abkühlen lassen vor dem wieder unterlegen!) oder mit einer feinen Nadel tief anstechen. Dabei gehen sie allerdings leicht kaputt.

Frisch gelegte, noch nicht bebrütete Eier enthalten noch kein Embryo, man verhindert also so nur das sich eines entwickelt und tötet es nicht. In jedem Fall lässt man danach die Henne auf den künstlichen bzw. sterilisierten Eiern drei Wochen lang brüten und entfernt diese dann zusammen mit dem Nest. Oft verlässt die Henne das Gelege auch schon vorher, in dem Fall entfernt man das Nest ab diesem Zeitpunkt.

Die meisten Hennen versuchen danach noch eine zweite Brut. Das ist auch noch ok, mehr sollte man aber nicht zulassen. Um den Bruttrieb zu reduzieren:

  • Grünfutter für ein paar Wochen stark reduzieren und auch kein Eifutter mehr anbieten
  • Nester und Nistmaterial entfernen, eventuell Bodenfütterung in einer flachen Schale falls Futternäpfe hartnäckig als Nester missbraucht werden
  • Eine Futtermischung ohne Hanfsamen verwenden, da Hanf den Bruttrieb fördert
  • Abnehmende oder wenigstens gleich bleibende Tageslichtlänge von etwa 8 Stunden. Also die Vögel in einem Raum halten der abends nicht mehr beleuchtet wird.

Der Sinn dieser Maßnahmen ist, das in der Heimat der wildlebenden Kanarienvögel gegen Ende der Brutzeit das Nahrungsangebot knapper wird und die Tageslänge abnimmt, wodurch automatisch der Bruttrieb schwächer wird.

Kanarienvogelnachwuchs

VORHER beachten

Jeder Kanarienvogelhalter sollte sich intensiv mit dem Thema auseinandersetzen, bevor er seine Vögel zur Brut treibt. Die Leidtragenden der vielen Probleme die beim „einfach so mal brüten lassen“ auftreten können, sind letztendlich leider die Tiere. Außerdem sollte man gründlich prüfen ob es wirklich verantwortungsvoll ist zuzulassen das Jungvögel schlüpfen. Dafür sollte man folgendes bedenken:

Abnehmer vorhanden?

Aus einer Brut können fünf bis sechs Jungvögel entstehen. Diese selber zu behalten ist gerade bei Wohnungshaltung in den seltensten Fällen möglich, und gute Plätze für all diese Jungtiere zu finden ist nicht immer einfach. Auf jeden Fall sollte ihr Verbleib geklärt werden bevor man sich für die Zucht entscheidet. Die Jungvögel an ein Zoofachgeschäft abzugeben, mag als bequeme Lösung erscheinen, aber bedeutet gleichzeitig die Tiere in eine ungewisse Zukunft in oft nicht artgerechter Haltung zu entlassen.

Alter der Kanarienvögel?

Auch wenn Kanaris mit etwa 8 Monaten geschlechtsreif werden, sollte man sie nicht brüten lassen bevor sie mindestens 12 Monate alt sind. Genauso ist eine Brut für ältere Vögel (über 5 Jahre) schon ziemlich belastend.

Letalfaktoren bei den Elterntieren?

Es gibt bei Kanarienvögeln sogenannte Letalfaktoren, Gene die, wenn in zweifacher Ausführung vorhanden, zu toten oder behinderten Jungvögeln führen. Deshalb darf man zwei Kanarienvögel die beide diese Merkmale tragen nie verpaaren (außerdem ist es laut Tierschutzgesetz verboten)! Die beim Kanari bekannten Letalfaktoren sind:

  • Haubenkanarienvögel, mit „Beatles-Kopf“, wie zum Beispiel Gloster-Kanarienvögel.
  • „Dominant Weiß“: weiße Kanarienvögel die, im Gegensatz zu Kanaris des Farbschlages „rezessiv Weiß“, noch ein bisschen Farbe an den Flügeln zeigen.
  • Federlose oder schwach befiederte Stellen, typisch für manche Positurkanarienrassen.
  • „Intensiv“: kräftig und leuchtend gefärbte Kanarienvögel deren Federspitzen keinen helleren Rand aufweisen.
Elterntiere verwandt?

Inzucht sollte auf jeden Fall vermieden werden. Besonders Geschwisterverpaarungen sind problematisch. Wenn die Vögel aus dem gleichen Zoogeschäft/Züchter stammen und besonders wenn sie gleichzeitig gekauft wurden besteht die Möglichkeit das es sich um Geschwister handelt. In dem Fall sollte man zur Sicherheit nicht zulassen das Jungvögel schlüpfen.

Ernährung während der Brutzeit und Aufzucht

Schon vor der Brutzeit sollte man die Ernährung umstellen. Zum einem erhalten die Vögel jetzt häufiger Grünfutter (alle drei Tage, außerhalb der Brutzeit braucht ein Kanarienvogel als Körnerfresser nur etwa einmal pro Woche Grünfutter). Besonders gut geeignet ist hier Keimfutter (gekeimtes Körnerfutter). Außerdem sollte man die Vögel an das Eifutter gewöhnen, indem man alle paar Tage kleine Mengen davon anbietet. Noch nicht zu viel davon füttern, das macht dick. Wichtig ist das die Henne genug Mineralien erhält die sie für die Bildung der Eischale benötigt. Grit und Mineralstein sollte sowieso immer zur Verfügung stehen, zusätzlich kann ein Mineralienpräparat zum übers Futter streuen oder ins Trinkwasser mischen sinnvoll sein. Sobald die Jungvögel geschlüpft sind reicht man täglich Eifutter und ab dem fünften Tag nach dem Schlupf regelmäßig Keim- und Grünfutter. Körnerfutter muss natürlich weiterhin angeboten werden.

Austauschen der Eier

Die gelegten Eier sollten noch am selben Tag gegen Plastikeier ausgetauscht werden, um gleichzeitiges Schlüpfen zu erreichen. Das hat folgenden Grund: ein Küken schlüpft im Falle des Kanaris nach 13-14 Tagen Brut, da es sich erst anfängt zu entwickeln wenn das Ei gewärmt, also bebrütet wird, und nicht gleich nach dem Legen. Wildlebende Kanarienvögel fangen erst an zu brüten wenn das Gelege komplett ist. Also schlüpfen alle Jungvögel auch gleichzeitig. Unsere „Hauskanaris“ brüten von Anfang an, also schlüpfen die Jungvögeln aus den zuerst gelegten Eiern auch zuerst. Die letztgeschlüpften, jüngeren Küken haben Probleme sich gegen ihre älteren Geschwister durchzusetzen und werden oft versehentlich erdrückt oder bekommen nicht genug Nahrung. Um das zu verhindern nimmt der Züchter die frischgelegten Eier aus dem Nest und tauscht sie gegen Plastikeier aus. Die echten Eier werden auf einer weichen Unterlage (hier hat sich Körnerfutter bewährt) nicht zu warm aufbewahrt, und wenn das Gelege komplett ist, wieder gegen die Plastikeier ausgetauscht und zurück ins Nest gelegt.

Aufzucht und Entwicklung der Jungvögel

Wenn nach 13 bis 14 Tagen Brut die Jungvögel schlüpfen, ist folgendes zu beachten:

  • In den ersten Tagen nach dem Schlupf kein Grünfutter geben! Die Küken vertragen es noch nicht.
  • Eingreifen ist normalerweise nicht nötig, man sollte die Vögel so wenig wie möglich stören. Im Notfall (!!) darf man aber auch ins Nest greifen, ohne das die Henne deswegen ihr Gelege/Jungvögel aufgibt. Ebenfalls ist eine schnelle Käfigreinigung (Bodenschale) ok und auch nötig.
  • Eine Badegelegenheit sollte auch während der Brut und Jungenaufzucht weiterhin angeboten werden.
  • Das die Jungvögel eine etwa erbsengroße gefüllte „Blase“ am Hals haben ist normal. Das ist der Kropf, eine Ausbuchtung der Speiseröhre, der sich nach dem Füttern mit Nahrung füllt.
  • Nach etwa 14 Tagen verlassen die Jungvögel das Nest für kurze Zeit, schlafen aber noch darin.
  • Ein paar Tage später verlassen sie das Nest definitiv, werden aber noch vom Hahn gefüttert.
  • Nach etwa 6-7 Wochen sind die Jungvögel futterfest und können von den Eltern getrennt werden. Je länger die Jungvögel bei den Eltern bleiben, um so besser. Bei Streitigkeiten (manche Hähne fangen früh an ihren männlichen Nachwuchs zu jagen) muss man sie aber trennen.
  • Manche Hennen fangen an ihre Kinder zu jagen und zu rupfen. Das liegt meistens daran das sie eine zweite Brut beginnen wollen und nach Nistmaterial suchen, sie wollen die Federn der Jungvögel. Meistens hilft es wieder Nistmaterial anzubieten.

Dieser Text hier ist keinesfalls als eine komplette Anleitung zur Kanarienvogelzucht zu verstehen. Wer seine Vögel brüten lässt sollte sich auf jeden Fall noch weitergehend informieren, und auch Kontakt zu erfahrenen Züchtern suchen.