Käfigeinrichtung und Zubehör
Sitzstangen
Die meisten Sitzstangen sollten einen Durchmesser haben bei dem sich die Vogelkrallen fast, aber nicht ganz berühren. Es können auch zusätzlich geringfügig dickere und dünnere Stangen angeboten werden, so trainiert man den Vogelfuß und gibt den Tieren die Möglichkeit sich eine Stange mit dem für sie am angenehmsten empfundenen Durchmesser auszusuchen. Außerdem entstehen leicht Sohlengeschwüre wenn der Fuß durch genormte Sitzstangen immer an den gleichen Punkten belastet wird.
Plastik
Plastiksitzstangen werden meistens mit neuen Käfigen mitgeliefert. Man sollte diese so schnell wie möglich austauschen. Glatte Plastiksitzstangen bieten keinen guten Griff und sind unbequem für die Vögel. Die Rillen auf anderen Plastikstangen sind dagegen zu scharfkantig und verursachen kleine Verletzungen am Vogelfuß, aus denen Sohlengeschwüre entstehen können. Außerdem gibt es Plastikstangen nur in genormten Standardgrößen.
Beton/Zement
Solche Sitzstangen werden als „Pedikürestangen“ zur Krallenpflege verkauft. Sie sind ungeeignet, die Oberfläche ist zu rau und zu hart, was Sohlengeschwüre begünstigt. Ein Vogel mit zu starkem Krallenwachstum hat meistens ein gesundheitliches Problem (etwa einen Leberschaden), gesunde Vögel bekommen auch ohne solche Stangen keine langen Krallen.
Sandbeschichtetes Hartholz oder Sandpapierüberzüge
Wie die Pedikürestangen – tierschutzwidriges Zubehör.
Holz
Gedrechseltes Hartholz
Gedrechselte Holzsitzstangen, wie sie auch mit machen Käfigen geliefert werden, haben meistens nur einen einzigen Durchmesser. Da aber Stangen mit geringfügig verschiedenen Durchmessern angeboten werden sollten, sollte man sie zumindest mit Naturästen kombinieren. Ausserdem bieten sie kaum Nagemöglickeiten.
Naturäste
Der größte Teil der Sitzäste sollten Naturäste sein. Diese sind für die Vögel bequem, bieten zusätzlich Nagemöglichkeiten und es gibt sie mit jedem beliebigen Durchmesser. Man kann diese Äste selber sammeln, man muss nur darauf achten das die Bäume ungespritzt sind und nicht in der Nähe von stark befahrenen Straßen stehen. Die Äste werden mit heißen Wasser abgebürstet, und dann komplett mit Rinde im Käfig angebracht. Geeignete Hölzer sind:
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Alle Obstbäume
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Ahorn
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Bambus (nicht ausschließlich, da glatt)
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Birke
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Erle
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Haselnuss
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Heidelbeere
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Lärche
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Linde
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Ulme
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Vogelbeere
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Weide
Ob man ungiftige Nadelhölzer (Kiefer zb.) verwenden sollte wird kontrovers diskutiert. Durch den hohen Anteil an ätherischen Ölen können sie schleimhautreizend wirken, außerdem kann das austretende Harz das Gefieder verkleben. Andererseits verwenden viele Vogelhalter und -züchter Nadelhölzer ohne negativen Folgen. Im Zweifelsfall sollte man kein Risiko eingehen und besser auf garantiert unbedenkliche Hölzer zurückgreifen.
Alle Äste sollten in regelmäßigen Abständen gegen frische ausgetauscht werden.
Seile
Es gibt extra Seilsitzstangen für Vögel, aber man kann auch ohne weiteres Meterware aus dem Baumarkt verwenden – wichtig ist nur das das Seil aus Naturfasern besteht, wie Baumwolle, Sisal oder Hanf. Ist das Seil zu locker geflochten, können die Vögel mit den Krallen daran hängen bleiben und sich so ernsthaft verletzen. Bei stark nagenden Vögeln (Großpapageien) sollte man auf Seile besser ganz verzichten, da beim knabbern aufgenommene Fasern zu ernsten Verdauungsproblemen führen können.
Schaukeln
Sind vor allem beliebt weil sie der höchste Platz im Käfig sind (eine in der selben Höhe angebrachte Sitzstange wäre genauso beliebt), und in den wenigsten Fällen weil die Vögel das Schaukeln genießen. Will man trotzdem Schaukeln anbieten, gilt für das geeignete Material das gleiche wie bei Sitzstangen. Zusätzlich sollte man beachten das die Seitenteile aus Metall mit eventuell gesundheitsschädlichen Beschichtungen bestehen können. Dafür gelten die gleichen Kriterien wie bei Käfigstäben
Sitzbretter
Besonders bei Sittichen sind Sitzbrettchen beliebt. Diese kann man aus Vollholz selber bauen oder (in der Nagerabteilung) im Zoofachhandel kaufen. Gerade für behinderte Vögel (etwa Wellensittiche mit einseitiger Beinlähmung durch die leider häufig vorkommenden Nierentumore) bieten diese Brettchen einen bequemen Sitzplatz, aber auch gesunde Vögel nutzen sie gerne. Für in Höhlen schlafende Vogelarten wie Agaporniden, die manchmal in ihrem Schlafkasten unbedingt brüten wollen, sind Sitzbrettchen auch ein guter Ersatz für die Schlafhöhle.
Spielzeug
Spielzeug wird vor allem von Papageien und Sittichen benutzt, Kanarienvögel oder Prachtfinken beachten es normalerweise kaum. Man sollte immer beobachten ob die Vögel das Spielzeug wirklich benutzen, wenn nicht nimmt es nur Platz weg. Leider findet sich unter typischen Vogelspielzeug viel ungeeignetes oder sogar gefährliches Zubehör.
Geeignetes Spielzeug besteht aus ungiftigen Naturmaterialien, splittert nicht beim Zerbeißen (Vorsicht besonders bei Plastik- und Acrylspielzeug für Großpapageien), zieht keine Fäden an denen sich die Vögel strangulieren oder Gliedmaßen abschnüren können, und imitiert keine Nistgelegenheiten, was den Zuchttrieb unnötig anheizen würde (etwa sogenannte Kuschelhöhlen für Papageien). Beliebt sind Gitterbällchen, Glöckchen (hier auf ungiftige Metallbeschichtung achten und bei Anzeichen von Rost entsorgen!), Korkplatten und -röhren, hängende halbierte Kokosnussschalen, Weidekugeln, Holzspielzeug zum Benagen, etc.
Völlig ungeeignetes Spielzeug
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Spiegel: Vögel erkennen sich nicht im Spiegel. Der vermeintliche Vogelpartner wird mit hochgewürgten Futter gefüttert und angebalzt. Dieses vergebliche Partnerfüttern ohne „Rückmeldung“ kann zu Kropfreizungen führen. Dieses Problem besteht besonders bei Papageienvögeln, aber keiner Vogelart sollte ein Spiegel angeboten werden.
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Plastikvögel: dafür gilt dasselbe wie für Spiegel.
Futternäpfe
Futternäpfe zum außen an den Käfig hängen sind ungeeignet bis gefährlich. Erstens finden viele Vögel sie schwer, zweitens lagern sich die Spelzen auf dem Futter ab und verdecken es bald, und drittens versuchen manche Vögel sich durch diese vermeintliche Öffnung ins Freie zu zwängen. Im schlimmsten Fall bleibt der Vogel stecken und erstickt.
Futterspender neigen zum Verstopfen und verführen dazu sie zu selten zu säubern. Wasserspender sind dagegen praktisch, müssen aber mindestens einmal täglich gereinigt werden, auch wenn sie noch Wasser enthalten.
Gut sind Futternäpfe aus Edelstahl oder Kunstsotff die im Käfig ans Gitter gehängt werden.
Eine weitere Möglichkeit ist Bodenfütterung in einem genügend großen Gefäß (nicht unter Sitzäste stellen um Verschmutzung zu vermeiden), was der natürlichen Ernährungsweise vieler Vogelarten, die in Freiheit ihr Futter in Bodennähe suchen, am nächsten kommt.
Es müssen immer genügend Futterplätze vorhanden sein, damit alle Vögel gleichzeitig fressen können.
Vogelgerechte Beleuchtung
Die meisten in Gefangenschaft gehaltenen Vogelarten kommen aus tropischen Gebieten und bekommen gerade im Winter in der Wohnung zu wenig Sonnenlicht ab. Außerdem können Vögel UV-Licht erkennen, was sie zur Erkennung von Partnervögeln oder Nahrungsmittel nutzen. Eine Beleuchtung mit geeignetem UV-Anteil kann deshalb sinnvoll sein. Normales Glühbirnenlicht enthält zu geringe UV-Anteile, aber es gibt spezielle Lampen mit einem geeigneten Lichtspektrum. Diese Lampen werden als „Vogellampen“ verkauft, eine bekannte Marke ist Arcadia BirdLamp © Dabei muss aber beachtet werden das diese Lampen nur bis zu einer Entfernung von ca. 50 cm messbare Mengen an UV-Licht abstrahlen. Die Lampe ist also nur sinnvoll wenn sie direkt neben dem bevorzugten Sitzplatz der Tiere installiert wird.
Eine weitere Besonderheit ist das Vögel mehr Bilder pro Sekunde wahrnehmen als Menschen. Leuchtstoffröhren leuchten nicht kontinuierlich, sondern gehen dauernd schnell an und aus. Vögel können dieses Flackern sehen, sie müssen sich bei solcher Beleuchtung fühlen wie vor der Stroboskopleuchte in der Disco. Also sollte bei Beleuchtung mit Leuchtstoffröhren (Vogellampen gibt es auch in dieser Ausführung) ein Vorschaltgerät angebracht werden, das dieses Flackern verhindert.
Einstreu
Vogelsand
Der Klassiker, wenn auch nicht die beste Alternative. Vögel brauchen keinen Sand, nur Grit (Magensteinchen), der zwar im Vogelsand enthalten ist, aber auch in einem Futternapf angeboten werden kann. Kranke Vögel neigen manchmal dazu vermehrt Sand zu fressen, was zu ernsten Verdauungsstörungen führen kann. Grit ist auch bei vermehrten Verzehr unbedenklich, Sand sammelt sich dagegen im Kropf an, zieht Flüssigkeit an und verklebt.
Völlig ungeeignet ist Sandpapier. Das Papier ist beim Verschlucken gesundheitsschädlich und, wie bei sandbeschichteten Sitzstangenüberzügen, kann es zu Sohlengeschwüren kommen wenn sich die Vögel viel auf dem Käfigboden aufhalten.
Pflanzliche Einstreu
Geeignet ist Buchenholzgranulat, Hanfeinstreu, Korkschrot und Holzpellets. Diese Einstreu ist leicht, saugfähig und wird von den Vögeln gerne beknabbert und durchwühlt, ist allerdings nicht ganz preiswert. Zusätzlich muss ein Napf mit Grit angeboten werden!
Papier
Papier lässt sich leicht und schnell wechseln und ist günstig. Man kann Küchenpapier oder auch ganz normales Zeitungspapier verwenden, Druckerschwärze ist heutzutage nicht mehr giftig. Zusätzlich muss ein Napf mit Grit angeboten werden!
Tierschutzwidriges und ungeeignetes Zubehör
Auch wenn oben im Text zum Teil schon darauf eingegangen wurde, noch einmal in Kurzform:
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Sitzstangen aus Plastik, Beton oder mit Sandüberzug: begünstigen Sohlengeschwüre
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Sandpapierröllchen für die Sitzstangen: begünstigen Sohlengeschwüre
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Sandpapier als Bodenbelag: begünstigt Sohlengeschwüre, schädlich bei Verschlucken
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Spiegel, Plastikvögel und anderes einen Vogelpartner imitierendes Spielzeug: führt zu Verhaltensstörungen und begünstigt besonders bei Papageienvögeln Kropfentzündungen
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Spielzeug mit Fäden: Strangulationsgefahr!
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Plastik- oder Acrylspielzeug für Großpapageien, die es zerbeißen können
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Spielzeug zum hineinschlüpfen (Kuschelhöhlen) für Höhlenbrüter: stimuliert den Bruttrieb
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Leuchtstoffröhren als Beleuchtung, wenn sie ohne Vorschaltgerät benutzt werden: flackern für Vögel sichtbar
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Aussenfutternäpfe: schwer zu finden, Vogel kann sich hineinzwängen