Ratten Gesundheit und Vorsorge

12. Februar 2010

Gesundheit & Vorsorge

Wann muß meine Ratte zum Tierarzt?

Grundsätzlich sollte man mit einer Ratte immer zum TA, wenn sie besonders auffälliges Verhalten zeigt. Leider können Ratten uns nicht sagen, wann es ihnen nicht gut geht und sie bitte zum Arzt gebracht werden möchten, daher ist es umso wichtiger, daß ihr euere Tiere aufmerksam beobachtet. Wie viele Kleinsäuger können Ratten erste Krankheitsanzeichen sehr gut verbergen, wenn die Ratte deutlich krank ist, ist die Erkrankung meist schon fortgeschritten.

Alarmzeichen, auf die man immer achten muß:

Verweigern von Futter, kein Interesse an beliebten Leckerchen (deutet oft auf Atemwegserkrankungen hin, aber auch Zahnfehlstellungen können die Ursache sein)

Schlappheit/Mattigkeit

Ratte zieht sich auffällig vom Rudel zurück

plötzliche Schreckhaftigkeit/Unruhe (hier müsst ihr unterscheiden, wenn ihr Weibchen habt, ob sie vielleicht auch nur rattig ist; falls dem so sein sollte ist aber 2-3 Stunden später alles wieder normal)

Angst vor Berührungen (kann ein Zeichen für Schmerzen sein)

Ratte sitzt aufgeplustert in der Ecke oder im Häuschen (ist gleichbedeutend damit, daß sie ein Schild hochhält auf dem steht Mir geht’s nicht gut, einen Arzt bitte!)

rotes Sekret/Ablagerungen um Nase und Augen bzw. rote Spritzer an der Innenseite der Häuschen (das rote Sekret der Harderschen Drüse wird immer abgesondert, wenn es den Ratten aus irgendeinem Grund nicht gutgeht; ferner empfielt es sich, den Käfigstandort zu überprüfen, denn auch Zugluft oder Stress können der Auslöser sein; in ganz seltenen Fällen wird die Absonderung dieses Sekrets nach überstandener Krankheit chronisch)

Koordinationsprobleme/schiefe Kopfhaltung (deutet auf eine Störung des ZNS/Hirntumor hin, aber auch Mittelohrentzündung)

häufiges Kratzen, kleinste Hautabschürfungen im Fell (vermutlich Parasitenbefall; das ganze Rudel muß behandelt werden, selbst wenn nur ein Tier augenscheinlich betroffen ist)

Niesen (kann ein Zeichen von Nervosität sein, ist aber immer ein Alarmsignal, da Ratten zu Atemwegserkrankungen neigen, die sehr schnell bedrohliche Ausmaße annehmen können, wenn sie nicht rechtzeitig behandelt werden)

Keuchen/Rasseln/Glucksen (definitiv ein Anzeichen einer Atemwegserkrankung)

Knubbel am Körper (Tumor oder Abszess; Abszesse müssen behandelt werden, Tumore sollten, sofern es der allgemeine Gesundheitszustand der Ratte erlaubt, entfernt werden, solange sie klein sind)

plötzlich auftretende schwarze Stellen in der Haut oder am Schwanz (manchmal treten nach Spritzen Nekrosen auf, am Schwanz kann das auch passieren, wenn ihn sich die Ratte irgendwo eingeklemmt hat; im Zweifelsfall muß der nekrotische Teil des Schwanzes amputiert werden)

blutige Flecken im Käfig/Blut am Harnausgang (ein Zeichen für – wahrscheinlich – Blasenentzündung)

Wichtig: Bitte sucht euch bevor die erste Erkrankung auftritt einen kundigen, rattenerfahrenen Tierarzt! Informiert euch über Öffnungszeiten und Urlaubsvertretungen. Die meisten TÄ geben den Besitzern ihrer Patienten auch ihre Handynummer für Notfälle.

Da Ratten wie oben erwähnt Krankheitsanzeichen und Schmerzen gut verbergen können ist, wenn es der Ratte akut und sichtbar schlecht geht, umgehend ein TA (oder eben ein Not-TA) aufzusuchen, auch am Sonntag oder an Feiertagen! Wenn ihr kein Auto habt: Telefonnummer vom Taxiruf und Taxigeld bereithalten!

Erkrankungen

häufige Erkrankungen

Abszess

Atemwegsinfektionen

Bumblefoot

Mycoplasmose

Mycoplasmen zählen zu den kleinsten selbstständig vermehrungsfähigen Bakterien aus der Klasse der Mollicutes (lat. mollis = weich, cutis = Haut; „die Weichhäutigen“). Sie gehören zum Stamm der meist grampositiven Firmicutes, sind selbst aber gramnegativ. Da Mycoplasmen die für Bakterien üblichen Zellwände fehlen, wurden sie eine zeitlang als Viren angesehen, da diese ebenfalls nicht eigenständig ohne Wirt überlebensfähig sind. Mycoplasmen leben parasitär, sind also entweder auf eine Wirtszelle oder einen Wirtsorganismus angewiesen, diese töten sie in der Regel aber nicht ab, sondern verursachen chronische Infektionen.

Als Parasiten erhalten sie vom Wirtsorganismus essentielle Stoffwechselkomponenten wie z.B. Fettsäuren, Aminosäuren und Vorstufen der Nukleinsäuren, für das Wachstum einiger Vertreter der Mollicutes ist auch Cholesterin erforderlich, eine Komponente, die normalerweise nicht in Bakterien gefunden wird und deren Synthesevorstufen ebenfalls von den Wirtszellen zur Verfügung gestellt wird. Es gibt zahlreiche verschiedene Arten von Mycoplasmen. So kommen Mycoplasmen sowohl bei Menschen, Tieren als auch Pflanzen vor, sind jedoch in der Regel wirtsspezifisch und somit nicht von einer Spezies auf eine andere übertragbar.

Die für Ratten am meisten relevante Art ist Mycoplasma pulmonis. Aufgrund verschiedener Untersuchungen geht man mittlerweile davon aus, daß Mycoplasma pulmonis in nahezu allen Ratten vorhanden ist. Bei intaktem Immunsystem wird dieses Bakterium aber vom Organismus relativ gut in Schach gehalten, so daß nicht zwangsläufig ein Ausbruch der Mycoplasmose erfolgen muß. Mycoplasmen besiedeln überwiegend die Atemorgane, also Bronchien und Lunge der Ratten, können aber auch für weitere Infektionen wie Mittelohrentzündungen oder bei weiblichen Tieren des Uro-Genital-Traktes verantwortlich sein.

Das Fehlen der für Bakterien üblichen Zellwände erschwert die Behandlung mit Antibiotika. Da es bisher kein wirklich wirksames Antibiotikum zur Bekämpfung der Mycoplasmose selbst gibt, bleibt nur die Behandlung der Sekundärinfektionen, damit der Körper sich selbst voll auf die Mycoplasmose-Erreger konzentrieren und sie möglichst mit den eigenen Abwehrkräften bekämpfen kann. Die Grunderkrankung Mycoplasmose ist noch nicht heilbar. Wichtig ist also vor allem die Stärkung der körpereigenen Abwehrkräfte um einen Ausbruch der Mycoplasmose möglichst zu verhindern.
Zur Eindämmung der Mycoplasmose bzw. ihrer Begleiterkrankungen haben sich Antibiotika wie z.B. Chloramphenicol Palmitat, Doxycyclin, Erythromycin, Gentamicin, Tetracyclin und Tylosin bewährt.

(Danke an Aleshanee)

Tumor

seltene & weniger bekannte Erkrankungen

Leptospirose

SDA-Virus

Tyzzer’s Disease

Tyzzer’s Disease ist eine bakterielle Infektion, die weitgehend alle Kleinsäuger befallen kann. Tyzzer’s äußert sich augenscheinlich durch struppiges Fell, Teilnahmslosigkeit, manchmal auch durch (teilweise blutigen) Durchfall, und führt in der Regel binnen 48 Stunden, spätestens 1 Woche zum Tod. Das Bakterium befällt die inneren Organe des Magen-Darm-Traktes, teilweise auch Leber und/oder Herz; besonders anfällig sind Jungtiere, allerdings können auch ältere Tiere befallen sein.
Nicht immer verläuft eine Infektion sofort tödlich. Vergleichbar mit Mycoplasmose können Tiere zwar infiziert sein, zum Ausbruch kommt Tyzzer’s aber erst durch Stress, geschwächtes Immunsystem etc.; besonders gefährlich ist die Tatsache, daß die Sporen über einen längeren Zeitraum (mitunter Jahre) überleben können.

Behandlung der Symptome ist wohl möglich, allerdings müssen bereits im Anfangsstadium Antibiotika verabreicht werden, was schwierig ist, da Ratten – wie beinahe alle Kleinsäuger – erste Krankheitsanzeichen gut verbergen können. Tetracycline (und evtl. Sulfonamide?) sollen hier das Mittel der Wahl sein.
Ferner müssten die betroffenen Tiere sofort in Quarantäne gesetzt und am besten der komplette (vermutlich kontaminierte) Käfiginhalt getauscht und/oder desinfiziert werden.
Einmal infizierte Tiere können nicht wieder „geheilt“ werden, lediglich die Symptome sind behandelbar; den Erreger tragen sie weiterhin in sich (ebenfalls vergleichbar mit Mycoplasmose).

Auch wenn Rennmäuse als besonders anfällig für Tyzzer’s gelten, können so gut wie alle Kleinsäuger befallen werden, die Bakterienstämme sind jedoch weitgehend wirtsspezifisch; die Infektion kann z.B. über kontaminierte Streu, Futter, Wasser etc. erfolgen. Eine Übertragung auf den Menschen konnte bisher nicht zweifelsfrei nachgewiesen werden.

Weiterführende Links zum Thema in englischer Sprache:

Tyzzer’s disease: An update of current information
Excerpts of Tyzzer’s disease from The Biology of the Laboratory Rabbit

Bekannte & bewährte Medikamente

Antibiotika

Chloramphenicol: klassisches gehirngängiges Antibiotikum, daher unbedingt bei Entzündungen an Kopf und ZNS zu verwenden; bakteriostatische Wirkung (Proteinsynthesehemmer); Handelsnamen u.a. Chloromycetin Palmitat, Parkefelin; zu haben als Saft oder Tabletten

Clindamycin: gehört zur Gruppe der Lincosamide; bakteriostatische Wirkung (Proteinsynthesehemmer); gilt als besonders aggressiv für den Magen-Darm-Trakt, sollte daher nicht eingesetzt werden, wenn auch andere Antibiotika (z.B. Makrolide) in Frage kommen; Handelsnamen u.a. Clinda Lich, Eficline; für Ratten als Trockensaft (Granulat) oder Tabletten geeignet

Doxycyclin: ein Polyketid, gehört zur Gruppe der Tetracycline; Tetracycline dürfen keinesfalls mit Milchprodukten verabreicht werden, da Calcium, Eisen und Magnesium die Aufnahme in den Körper behindern (auch auf die verstärkte Gabe von Bananen, Nüssen und Saaten sollte in diesem Zusammenhang verzichtet werden); kann als einziges Tetracyclin mit Acetylcystein (Schleimlöser) kombiniert werden; bakteriostatische Wirkung (Proteinsynthesehemmer)

Enrofloxacin: Gyrasehemmer (bakteriostatische und bakterizide Wirkung), gehört zur Gruppe der Fluorchinolone; nur eingeschränkt gehirngängig; Handelsname Baytril; zu haben als Injektionslösung (auch orale Gabe möglich), orale Lösung und Tablette

Erythromycin: gehört zur Gruppe der Makrolide; bakteriostatische Wirkung (Proteinsynthesehemmer); gute Wirksamkeit gegen grampositive Keime und Mycoplasmen; behindert den Abbau von Theophyllin, daher keine gleichzeitige Gabe; Handelsname u.a. Infectomycin; für Ratten geeignet als Trockensaft (Granulat)

Marbofloxacin: Gyrasehemmer (bakteriostatische und bakterizide Wirkung), gehört zur Gruppe der Fluorchinolone; nur eingeschränkt gehirngängig; Handelsname Marbocyl, zu haben als Injektionslösung (auch orale Gabe möglich), orale Lösung und Tablette

Florfenicol: Handelsname u.a. Nuflor

Retardon: gehört zur Gruppe der Sulfonamide

Sulfamethoxazol und Trimethoprim: geringere Gefahr der Resistenzbildung durch Wirkstoffkombination; Handelsname u.a. Cotrim; für Ratten in der Variante als Kindersaft/-Sirup geeignet

Tetracyclin: Namensgeber der gleichnamigen Wirkstoffgruppe; ein Polyketid; Tetracycline dürfen keinesfalls mit Milchprodukten verabreicht werden, da Calcium, Eisen und Magnesium die Aufnahme in den Körper behindern (auch auf die verstärkte Gabe von Bananen, Nüssen und Saaten sollte in diesem Zusammenhang verzichtet werden); Wirksamkeit wird durch Acetylcystein negativ beeinflußt, daher keine gleichzeitige Gabe; bakteriostatische Wirkung (Proteinsynthesehemmer); Handelsname u.a. Tetraseptin, zu haben als Tropfen

Schleimlöser/Medikamente für die Atemwege

Acetylcystein: Schleimlöser; verringert die Wirksamkeit von Tetracyclinen, daher keine gleichzeitige Gabe (Ausnahme: Doxycyclin); Handelsname u.a. ACC; für Ratten geeignet als ACC 200 Pulver (angerührt als Lösung oder untergemischt in Brei)

Bromhexin: Schleimlöser, Handelsname Bisolvon

Theophyllin: bronchienerweiterndes Asthmamedikament; ein Alkaloid; keine gleichzeitige Gabe von Ciprofloxacin oder Erythromycin, da diese Antibiotika den Abbau von Theophyllin behindern; Handelsname u.a. Euphylong

Omnipet Sekrolyt Cat: Schleimlöser auf pflanzlicher Basis, Wirkstoffe aus Brennessel, Brunnenkresse, Thymian, Fenchel und Schachtelhalm; das süßliche Kräutergranulat wird von Ratten i.d.R. gern genommen

Schmerzmittel

Carprofen: Nichtopioid-Analgetikum, ein NSAR (nicht-steroidales Antirheumatikum), schmerz- und entzündungshemmend, Cyclooxygenase-Hemmer, darf daher nicht gleichzeitig (weder zeitgleich noch parallel) mit Corticoiden verabreicht werden; Handelsname u.a. Rimadyl

Meloxicam: Nichtopioid-Analgetikum, ein NSAR, schmerz- und entzündungshemmend, Cyclooxygenase-Hemmer, darf daher nicht gleichzeitig (weder zeitgleich noch parallel) mit Corticoiden verabreicht werden; Handelsname u.a. Metacam

Metamizol: Nichtopioid-Analgetikum, einziges NSAR mit krampflösender Wirkung, stark schmerz-, aber nur schwach entzündungshemmend, darf daher, obwohl Cyclooxygenase-Hemmer, zeitversetzt parallel mit Corticoiden verabreicht werden; Handelsname u.a. Novalgin

Corticoide

Dexamethason:

Prednisolon:

unterstützende Heilmittel & -Verfahren

Bachblüten:

Echinacea: zur Immunstärkung; Wirkstoff des Sonnenhutes; für Ratten geeignet in der Kindervariante ohne Alkohol

Umijo Pet: zur Immunstärkung; Wirkstoffe u.a. Sonnenhut, Pelargonienwurzel, Mumijo, Efeu, Zink etc.

Operationen bei Ratten

Sind unsere Ratten anfällig für Krankheiten, weil diese in Laboren angezüchtet wurden?

Auch wenn diese Aussage weit verbreitet ist, so ist sie nichtsdestoweniger falsch. Labor- und Liebhaberratten werden seit dem 19. Jahrhundert weitestgehend getrennt voneinander gezüchtet, Überschneidungen, die hier einen zwingenden Zusammenhang ergeben würden, gibt es nicht.
s. auch: Mythen der Rattenhaltung – Laborratten und Farbratten

© Chipi

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